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Neue Freie Presse
Morgenblatt
Nr. 2666. Wien, Freitag, den 26. Januar 1872

[1]

Musik.

(Viertes Gesellschafts-Concert. — Hanns v. Bülow. — „Der Waffen-schmied “ von Lortzing.)

Wien, 25. Januar.


0005Ed. H. Das Programm des letzten Gesellschafts-Con-
0006certes, bestehend aus lauter modernen Stücken, glich selbst
0007einem modernen Stücke mit unglücklichem Ausgang. Den
0008Anfang machte Gade’s Ouvertüre zu „Hamlet ,“ eine respec-
0009table, in manchen Zügen fein empfundene Composition, doch
0010ohne mächtige Erfindung oder hinreißende Kraft. Als einer
0011echt musikalischen und ehrlichen Künstlernatur begegnen wir
0012Niels Gade von Zeit zu Zeit gerne, mögen immerhin die
0013großen Erwartungen, die sein erstes Auftreten einst hervorrief,
0014längst ad acta gelegt sein. Seit der berühmten „Ossian“-
0015Ouvertüre und C-dur-Symphonie sehen wir den Componisten
0016sein Talent nicht sowol erweitern und steigern, als vielmehr
0017damit immer wieder denselben begrenzten Stimmungskreis be-
0018schreiben. In seiner „Hamlet“-Ouvertüre hat er zwar die
0019nordischen Landschaftsbilder sammt Asen und Walkyren daheim
0020gelassen, dafür aber mit Shakspeare ’s „Hamlet “ keinen
0021lohnenderen Stoff eingetauscht. Ein Mann des Grübelns und
0022Zweifelns ist kein rechter Held für die Musik; diese verläßt
0023ihren Boden, wenn sie zwischen Sein und Nichtsein abwägt.
0024Gade ’s „Hamlet“-Musik theilt überdies die Gefahr aller
0025solchen halbtheatralischen Ouvertüren, die für den Concertsaal
0026bestimmt sind und dennoch nach dem Schauspielhause schielen,
0027die Gefahr: daß der Hörer darin unwillkürlich nach ganz be-
0028stimmten Charakteren und Situationen sucht und (möge er
0029nun das Gesuchte gefunden haben oder nicht) durch dies
0030fremdartige Interesse in dem einheitlichen musikalischen
0031Genuß beirrt wird. — Eine Tondichtung von tiefem Gehalt
0032und prägnanter Eigenthümlichkeit ist Brahms’Schicksals-
0033lied “ für Chor und Orchester (Op. 54). Das schöne Gedicht
0034Hölderlin’s erscheint zwar weder dem Inhalt noch dem
0035Versmaß nach besonders günstig für Musik; es konnte jeden-
0036falls nur einen so ernsten, den Ideen des Großen und Unver-
0037gänglichen unbeirrt zugewendeten Tondichter wie Brahms
0038anlocken. Die beiden ersten Strophen des Gedichtes preisen
0039die selige Ruhe der olympischen Götter, welche „droben im
0040Licht schicksalslos athmen“; der Chor singt diese Strophen in
0041einem edel und breit ausklingenden Adagio (Es-dur 4/4-Tact).
0042Die dritte Strophe des Gedichtes schildert als Gegenbild das
0043beklagenswerthe Los der Menschen, denen es „gegeben ist,
0044auf keiner Stätte zu ruh’n“. Mit erschütternder Beredsam-
0045keit und ohne durch genrehafte Züge den großen Styl des
0046Werkes zu trüben, bringt der Componist diesen Gegensatz in
0047einem düsteren Allegro (C-moll 3/4-Tact) zur Darstellung.
0048Wie anschaulich und mit einfachsten Mitteln geschildert ist der
0049Sturz „von Klippe zu Klippe“, wie durchbohrend der lange
0050Halt der Stimmen auf dem Worte „Jahrlang“! In dieser
0051Trostlosigkeit schließt der Dichter — nicht so der Componist.
0052Es ist eine überaus schöne poetische Wendung, welche uns die
0053ganze verklärende Macht der Tonkunst offenbart, daß Brahms
0054nach den letzten Worten des Chors zu der feierlich langsamen
0055Bewegung des Anfanges zurückkehrt und in einem längeren
0056Orchesternachspiel das wirre Mühsal des Menschenlebens in
0057seligen Frieden auflöst. In ergreifender, Allen verständlicher
0058Weise vollzieht Brahms diesen Gedankengang durch reine In-
0059strumental-Musik, ohne Hinzufügung eines einzigen Wortes.
0060Die Instrumental-Musik tritt also hier ergänzend und voll-
0061endend hinzu und spricht aus, was sich in Worte nicht mehr
0062fassen läßt: ein merkwürdiges Gegenstück zu dem umgekehrten
0063Vorgang in Beethoven ’s Neunter Symphonie . Brahms ’
0064Schicksalslied “ gemahnte uns in Styl und Stimmung wie
0065ein Nachklang seines bewunderungswürdigen „Deutschen
0066Requiems “, dieselbe christliche Anschauung, nur in griechisch er
0067Form. Obwol das „Schicksalslied “ weder leicht zu fassen
0068noch melodisch bestechend ist, erzielte es doch im Gesellschafts-
0069Concert einen entschiedenen großen Erfolg. Diese Wirkung
0070wird sich ohne Zweifel noch steigern bei einer zweiten, hoffent-
0071lich vollkommeneren Aufführung, denn der Dirigent, Herr
0072Rubinstein , übereilte den Allegro-Satz so sehr, daß Text und
0073Musik undeutlich wurden. Rubinstein dirigirt manchmal,
0074als wenn er Clavier spielte — er läßt sich fortreißen.


0075Ein anmuthig gedachtes und fein ausgeführtes Tonbild
0076ist Goldmark’sRegenlied “ (Text von Klaus Groth )
0077für gemischten Chor ohne Begleitung. Die vom „Singverein“
0078schön vorgetragene Composition wurde zur Widerholung ver-
0079langt. Den weitaus größten Raum des Programmes occu-
0080pirte Meyerbeer’s Musik zu dem Trauerspiel „Struen-
0081see “. Es ist zu bedauern, daß man nicht eine gehaltvollere
0082und für den Concertsaal passendere Composition gewählt hatte.
0083Die Musik wird ohne das Drama, dem sie sich eng an-
0084schließt, vielfach unverständlich und erscheint an mancher
0085Stelle einfach häßlich, welche man im Theater als Interpre-
0086tation der Scene allenfalls für „dramatisch“ hinnimmt. Vor
0087einer Aufführung des ganzen Trauerspieles von Michael
0088Beer mögen uns freilich die Götter bewahren. Vor einigen
0089Jahren griff die Direction der Gesellschafts-Concerte zu dem
0090Nothbehelf, die einzelnen Stücke der „Struensee“-Musik durch
0091ein erklärendes Gedicht von J. G. Seidl zu verbinden. Für
0092unser Theil danken wir für das ganze Wrack, mit und ohne
0093declamatorische Ausschmückung. Deutlicher kann man doch
0094nicht mehr sehen, wie ungenügend und unerquicklich Meyer-
0095beer ’s Musik, abgezogen von der Bühne, wirkt, wie wenig
0096dieser geistvolle Opern-Componist — hierin Richard Wagner
0097ähnlich — im Stande ist, größere Instrumentalformen mit
0098echt musikalischem Gehalt auszufüllen. Die „Struensee“-
0099Musik ist reine Mosaik-Arbeit, mit bewunderungswürdigem
0100Geschick ausgeführt, aber doch nur ein Steinchen an dem an-
0101deren. Aus größerer Entfernung und in eigens angepaßter
0102Umgebung kann man so ein Bild für gemalt ansehen. Die
0103rhythmische Zerstücklung, die harmonische und melodische Un-
0104natur — Alles im Dienst contrastirender Effecte — sind auf
0105die Spitze getrieben. Selbst die so sehr gerühmte Instrumen-
0106tirung kann man nur sehr bedingt loben, hört man doch
0107fast alle vier Tacte eine andere Klangmischung, einen an-
0108deren pikanten Eintritt. Dadurch wird das Ohr abge-
0109stumpft, und macht das Ganze am Ende vor lauter Effecten
0110keinen Effect.


0111War die Aufführung der „Struensee“-Musik (die ja
0112längst den Reiz der Neuheit verloren hat) mindestens über-
0113flüssig im Gesellschafts-Concerte, so verdient die Wahl der
0114Schlußnummer: „Sadko“, von Rimsky-Korsakow,
0115eine viel härtere Bezeichnung. Es ist dies ein Orchesterstück
0116von einem uns bis heute gänzlich unbekannten russisch en Com-
0117ponisten. Die Sage, welche Herrn Rimsky-Korsakow bei
0118Composition dieses Tonbildes vorschwebte, erzählt uns das [2]
0119Programm folgendermaßen: „Sadko , ein berühmter Gusli-
0120spieler, wurde von seinen Reisegenossen während einer Meer-
0121fahrt über Bord geworfen, da ihn das Los traf, dem See-
0122könig e geopfert zu werden, welcher das Schiff an der Weiter-
0123fahrt hinderte. Vom Seekönig e, der seine Tochter soeben ver-
0124mält, in die Tiefe gezogen, muß Sadko das Fest durch sein
0125Spiel verherrlichen. Die Macht seiner Töne reißt die Geister
0126zum Tanze hin und bringt die Wasser in Aufruhr. Immer
0127rascher wirbelt der Tanz, immer wilder schäumen die Wogen,
0128denn immer gewaltiger greift Sadko in die Saiten, da —
0129plötzlich — reißen die Saiten — dunkel und still wird es in
0130der Tiefe, und ruhig wie vordem gleiten die Wellen des
0131Meeres.“ Die ganze Composition ist Programm-Musik in
0132verwegenster Bedeutung, ein Product der Verwilderung, ge-
0133paart mit äußerster Blasirtheit. Solche Armuth des musika-
0134lischen Denkens bei solcher Frechheit der Instrumentirung
0135ist uns selten vorgekommen. Die Elfen Mendelssohn ’s, die
0136Nixen Gade ’s, Berlioz ’ „Walpurgisnacht “ und Wagner ’s
0137Venusberg “: das Alles brodelt hier durch einander in einem
0138russisch en Branntweinkessel. Herr v. Korsakow ist ein junger
0139russisch er Garde-Officier und, wie alle russisch en Garde-
0140Officiere, fanatischer Anhänger Richard Wagner ’s. Der
0141Stolz, auf heimischem Boden Aehnliches fabriciren zu können,
0142eine Art russisch en Champagners, etwas sauer, aber viel stärker
0143als der Original-Wagner ’sche, mag im Rechte sein zu Moskau
0144und Petersburg , ein gewisses Talent gehört ja unstreitig auch
0145zu derlei Hervorbringungen. Allein in Wien dürfen wir wol
0146noch protestiren gegen die Pflege solch wüsten Dilettantis-
0147mus in unseren für die gute — ich will nicht sagen „clas-
0148sische“ — Musik gegründeten Concert-Instituten. In der Vor-
0149führung eines Orchesterstückes wie dieser „Sadko “ liegt eine
0150arge Verkennung, wo nicht Mißachtung des Publicums der
0151Gesellschafts-Concerte. Die Gefühle russisch er Landsmannschaft
0152entschuldigen Herrn Rubinstein keineswegs, fehlt es doch in
0153seinem Vaterlande nicht an besseren Dingen. So wäre z. B.
0154die reizende Balletmusik aus Glinka’sDas Leben für den
0155Czar “ eine sehr interessante, zumal im Fasching unanfechtbare
0156Novität gewesen. Glinka, ein bedeutendes originelles Ta-
0157lent, ist als Musiker echter Russe von stark nationaler Fär-
0158bung. Der Wagner ’sche Garde-Officier Korsakow ist das nur
0159insoferne, als der innerlich hohle nach Außen maßlos renom-
0160mirende Nihilismus ein Charakterzug des jungen Rußland
0161sein soll. In Turgenjeff’s geistvollen Erzählungen begeg-
0162nen wir gerne derlei abnormen Culturpflanzen aus Peters-
0163burg , ihren Compositionen wollen wir aber im Concertsaale
0164nicht begegnen. Der Mißgriff in der Wahl dieser (vom
0165Publicum energisch zurückgewiesenen) Composition geschah
0166unter erschwerenden Umständen: Rubinstein ließ den „Sadko “
0167auf Meyerbeer ’s „Struensee“-Musik folgen, also auf eine so
0168raffinirte, überwürzte Composition, daß darauf der Hörer
0169förmlich lechzt nach etwas Musik von reiner, ruhiger Schön-
0170heit. Ein einsichtsvoller Dirigent, so glauben wir, hätte das
0171Concert mit einem Orchesterstücke von Mozart oder Beethoven
0172beschlossen. Statt dessen jagt Herr Rubinstein unsere durch
0173die Stacheln und Dornen der „Struensee“-Effecte hinreichend
0174geritzten Sinne noch durch die russisch e Spießruthen-Allee des
0175Herrn Rimsky-Korsakow . Fürwahr, das Unbegreifliche „hier
0176wird’s Ereigniß“!


0177In erfreulichster Weise hat Herr Hanns v. Bülow
0178unser musikalisches Publicum drei Abende hindurch gefesselt
0179mit dem Vortrage ausschließlich Beethoven ’scher Clavier-
0180Compositionen. Künstler von geringerer Virtuosität und
0181schwächerem Geist als Herr v. Bülow würden an solchem
0182Wagniß wahrscheinlich scheitern. Bülow hat es siegreich
0183durchgeführt. Seine Soireen zeigten insofern eine systema-
0184tische Anordnung, als jeder der drei Abende eine der drei
0185Perioden oder Stylarten des Meisters repräsentirte. Die
0186Auswahl traf nicht nur die größten der Clavier-Compositio-
0187nen Beethoven ’s, sondern auch minder bekannte, zum Theil
0188gar nicht öffentlich gespielte Stücke, wie z. B. das humori-
0189stische Rondo: „Wuth über einen verlorenen Groschen “
0190(Op. 129) u. A. Bülow spielte die lange Reihe von
0191Stücken in rascher Folge, ganz allein, sämmtlich auswendig,
0192eine erstaunliche Probe musikalischen Gedächtnisses und geisti-
0193ger Spannkraft. Mochte man auch mit Einzelheiten seiner
0194Auffassung nicht ganz einverstanden sein — der Mann, wel-
0195cher sich einer so colossalen Leistung wie die „drei Beetho-
0196ven -Abende“ rühmen kann, ist und bleibt eine außerordent-
0197liche Künstlerkraft, welcher man das Recht individueller Auf-
0198fassung nicht wol streitig machen darf, auch wo sie von be-
0199währter Tradition abweicht. Wir können nur wünschen, daß
0200Bülow seinen Besuch in Wien recht bald wiederhole.


0201Im Theater an der Wien wurde am 23. d. M.
0202Lortzing’s komische Oper: „Der Waffenschmied
0203zu einem wohlthätigen Zwecke gegeben. Worin dieser Wohl-
0204thätigkeitszweck bestehe, war seltsamerweise auf den Anschlag-
0205zetteln nicht gesagt; begnügen wir uns damit, daß der musi-
0206kalische Eindruck recht wohlthätig wirkte. Wir überschätzen
0207keineswegs die Kraft und Tragweite von Lortzing ’s Talent,
0208noch speciell den Werth des „Waffenschmied “, welchem „Czar
0209und Zimmermann “ weit überlegen ist. Da gibt es viel ver-
0210brauchte Theaterkniffe in der Handlung, viel Geschwätzigkeit
0211und Plattheit im Dialog, manches Alltägliche, ja Philister-
0212hafte in der Musik; Strophenlieder wie Georg ’s „Man lebt
0213nur einmal in der Welt“ kommen uns heutzutage wie Ana-
0214chronismen vor. Aber trotzdem, welch solider Schatz von
0215Laune und Heiterkeit, von natürlicher, prunkloser Anmuth
0216und Empfindung ruht in dieser Oper! Lortzing ’s immer
0217bereitwillig fließende Melodie, sein echt musikalisches Gefühl
0218für Wohlklang und Abrundung, seine bei aller Bescheidenheit
0219doch so gewandte, wirksame Technik — sie gewinnen uns auch
0220für den „Waffenschmied “. Und daß wir selbst die Schwächen
0221seiner kleinbürgerlichen Komik nicht störend empfinden, dafür
0222sorgen durch den Contrast all die tragischen großen Opern,
0223welche in Wien das Opernhaus und unsere Nerven längst
0224ausschließlich in Beschlag genommen. Der „Waffenschmied “ hat
0225sehr angesprochen, einige Stücke wie das hübsche erste Terzett,
0226das vortreffliche Sextett, das komische Duett zwischen dem
0227Waffenschmied und Georg , Marien s Arie: „Wir armen
0228Mädchen“, endlich die weltbekannten gemüthvollen Strophen:
0229„Das war eine köstliche Zeit“ erregten sogar stürmischen
0230Applaus. Die Aufführung wurde von Mitgliedern des Hof-
0231operntheaters besorgt. Ganz ausgezeichnet sang Herr Roki-
0232tansky
die Titelrolle , seine Stimme klang prachtvoll in
0233dem akustisch so günstigen Wiedener Theater, und sein Vor-
0234trag documentirte in allen größeren Nummern den trefflich
0235geschulten Gesangskünstler. Auch als Schauspieler stellte Herr
0236Rokitansky diesmal seinen Mann und ließ uns höchstens den
0237Wunsch übrig, er möchte hin und wieder eine etwas freund-
0238lichere Miene und einen höheren offeneren Sprechton ver[3]-
0239suchen. Einen glänzenden Erfolg hatte ferner Fräulein Minnie
0240Hauck; ihre Marie gehört in Spiel und Gesang zu den
0241allerbesten Leistungen dieser unermüdlichen Künstlerin. Die
0242Herren Müller und Neumann paßten nicht so recht für
0243ihre Rollen, führten aber dieselben nichtsdestoweniger sorgsam
0244und beifällig aus. Herr Müller (Knappe Georg ) vermag
0245nur schwer den Helden auszuziehen, auch wenn er einen
0246Diener vorstellt; Haltung und Miene und die heroisch
0247herausgeschmetterten hohen B und C ließen argwöhnen, daß
0248in der Gesellenverkleidung nicht ein einfacher Knappe, sondern
0249mindestens Robert , Herzog der Normandie , stecke. Man ist
0250indessen so sehr gewöhnt, dergleichen Rollen mit wenig
0251Stimme und viel Beweglichkeit ausführen zu sehen, daß man hier
0252das umgekehrte Verhältniß mit einer Art bewundernden Staunens
0253aufnahm und Herrn Müller enthusiastisch applaudirte. Im
0254Gegensatze zu Georg hätte dem Ritter v. Liebenau (Herrn
0255Neumann) etwas mehr Ritterlichkeit und Stimme nicht
0256geschadet; die Leistung war trotzdem eine ganz achtbare. Für
0257zwei plötzlich erkrankte Mitglieder (Fräulein Gindele und Herrn
0258Lay ) wurde glücklicherweise schneller Ersatz gefunden: in Frau
0259Egli aus Graz , welche als Irmentraut eine tüchtige Rou-
0260tine entfaltete, und in Herrn Regenspurger, dessen
0261schwäbelnd er Ritter Adelhof das Publicum unausgesetzt be-
0262lustigte. Nachdem alle Rollen im „Waffenschmied “ von Hof-
0263opernsängern studirt sind, werden diese die Oper hoffentlich
0264auch im eigenen Hause geben. Der „Waffenschmied “ dürfte
0265im neuen Opernhause keine Sensations-Vorstellung werden,
0266wol aber Vielen eine ersehnte Abwechslung, ein musikalisches
0267Ruheplätzchen bieten. Das Orchester des Hofoperntheaters
0268würde die Wirkung der Oper beträchtlich erhöhen, und hof-
0269fentlich müßten wir dort weder das ganz unpassende Pas
0270de deux im zweiten Acte noch die störende, so entsetzliche
0271Pausen verursachende Wirthschaft mit dem „Zwischenvorhang“
0272in den Kauf nehmen. Mit dem „Waffenschmied “ käme doch
0273wenigstens Eine Lortzing’sche Oper aufs Repertoire, und
0274so lange Wien keine eigene Opéra comique besitzt, haftet
0275jedenfalls auf dem Hofoperntheater die künstlerische Verpflich-
0276tung, einen Namen wie Lortzing nicht gänzlicher Verschollenheit
0277zu opfern.