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Neue Freie Presse
Morgenblatt
Nr. 5725. Wien, Donnerstag, den 5. August 1880

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Die musikalischen Festlichkeiten in Brüssel. I.

Brüssel, 25. Juli.


0003Ed. H. Wenn man von der Oberen Stadt, in welcher
0004das königliche Palais, alle Ministerien, Museen, Akademien
0005und eleganten Fremdenhotels in stiller Einförmigkeit an-
0006einandergereiht liegen, hinabsteigt in die „Basse-Ville“, so
0007gelangt man zu dem eigentlichen historischen Brüssel, mit
0008seinen engeren, unregelmäßigeren Straßen und lebhaftem
0009Verkehr. Diese Scheidung des stillen, ganz modernen und
0010französischen oberen Theiles von der ausgeprägteren, vlämisch
0011redenden, auch in socialer Beziehung „unteren“ Stadt ist
0012vielleicht die interessanteste Specialität von Brüssel, das von
0013eigenthümlicher Physiognomie nicht allzu viel hat und davon
0014alljährlich durch moderne Um- und Neubauten noch einbüßt.
0015Der malerischeste Platz von Brüssel, der charaktervollste, um
0016nicht zu sagen der einzige von scharf ausgeprägter historischer
0017Physiognomie, liegt in der Unteren Stadt und ist der Rath-
0018hausplatz. Dieses ehrwürdige Viereck war der offene Concert-
0019saal für den Wettstreit der Militär-Musiken am vorigen
0020Sonntag: das friedliche Schlachtfeld, auf dem die österreichi-
0021schen Soldaten zuletzt gesiegt.


0022Man kann sich nicht leicht ein bunteres, originelleres
0023Bild vorstellen, als diesen „Concours de musiques mili-
0024taires“ auf dem Großen Platze von Brüssel. Gegenüber dem
0025prachtvollen alten Rathhause war eine sehr geräumige, mit
0026belgischen und österreichischen Fahnen decorirte Estrade errich-
0027tet, auf welcher die Militär-Capellen spielten; zu ihren
0028Füßen saßen auf Stühlen oder auf den Treppen Herren
0029und Damen und — das Bild farbig belebend — die an
0030die Reihe kommenden uniformirten Musiker mit ihren blank-
0031geputzten Blechinstrumenten. Eine Anzahl bevorzugter Gäste,
0032obenan der Bürgermeister mit seinen „Schöffen“ und die
0033ganze österreichische Gesandtschaft, nahm Platz auf dem Bal-
0034con des Rathhauses, gegenüber der Musiktribüne. Eine halb-
0035gedeckte Lage war neben der Musik für die Preisrichter an-
0036gebracht. Das Gros des Publicums aber befand sich, dicht
0037gedrängt, auf dem Platze selbst und trotzte lange vor Be-
0038ginn der Production den Sonnenstrahlen, welche an dem
0039Tage recht glühend brannten. Nach 2 Uhr begann die Pro-
0040duction. Die österreichische Musikbande des Infanterie-Regi-
0041ments Ziemiecki machte den Anfang. Die Soldaten sahen
0042in ihren dunkelblauen Waffenröcken gar schmuck aus und
0043wurden mit sichtlichem Wohlgefallen betrachtet. Capell-
0044meister Czibulka, ein Mann von eleganter
0045Tournüre und einnehmender Gesichtsbildung, erhebt den
0046Tactstab, und unter athemloser Aufmerksamkeit des tausend-
0047köpfigen Publicums erklingt der erste Accord — der „Vehm-
0048richter-Ouvertüre“ von Berlioz! Dies war das von der
0049belgischen Festcommission aufgegebene Stück (morceau imposé),
0050das von allen concurrirenden Militärbanden — nebst einer
0051Composition eigener Wahl — gespielt werden mußte. Die
0052Francs-Juges“ von Berlioz! Welcher sonderbare Schwärmer
0053im Brüsseler Ministerium den Einfall gehabt, gerade diese
0054Composition, die weder werthvoll an sich, noch günstig für
0055Militär-Arrangement, unerfreulich für den Hörer und un-
0056dankbar für den Spieler ist, zur Preisaufgabe zu wählen,
0057konnte ich nicht erfahren. Die Ouvertüre „Les Francs-Juges“
0058ist der erste größere Orchesterversuch von Berlioz, welcher
0059in seinen Memoiren ein recht hübsches Geschichtchen davon
0060erzählt. „Ich war noch so unwissend in Betreff des Mecha-
0061nismus einiger Instrumente,“ berichtet Berlioz, „daß ich, nach-
0062dem ich in der Introduction der Ouvertüre „Les Francs-Juges“
0063den Des-dur-Accord für die Posaunen geschrieben, befürch-
0064tete, es werde dies den Bläsern die größten Schwierigkeiten
0065bereiten. Aengstlich befragte ich darüber einen Posaunisten
0066der Großen Oper, der mich vollkommen beruhigte und mir
0067von dieser Stelle sogar einen großen Effect versprach. Diese
0068Versicherung erfüllte mich mit solcher Freude, daß ich, nach
0069Hause eilend, auf den Weg nicht achtete und mir den Fuß
0070verstauchte. Seitdem thut mir der Fuß weh, so oft ich das
0071Stück höre. Anderen wird vielleicht der Kopf wehthun.“
0072Weit entfernt, dem berühmten Componisten hierin zu wider-
0073sprechen, gratulirten wir uns vielmehr, daß seine „Vehm-
0074richter“ uns Preisrichtern nur dreimal nacheinander vorge-
0075spielt wurden. Wäre hier die Zahl der concurrirenden Mili-
0076tärmusiken so groß gewesen wie 1867 in Paris — wo unsere
0077geliebte „Oberon“-Ouvertüre uns durch zehnmalige Wieder-
0078holung für Jahr und Tag verleidet wurde — es hätte sich
0079die Berlioz’sche Ouvertüre wie ein schleichendes Gift mit un-
0080serem Blute verflößt. Von Militärmusiken sollten übrigens
0081nur solche Compositionen verlangt und gespielt werden, welche,
0082melodiös klar und verständlich, einen frischen, kräftigen Athem
0083haben. Ouvertüren wie „Egmont“ (an den Brüsseler Helden
0084dachte hier kein einziges Musikprogramm), wie „Oberon“,
0085Freischütz“, „Tell“, „Stumme von Portici“ wären eine weit
0086bessere Wahl gewesen als die „Francs-Juges“ mit ihrem
0087wüsten, schlafwandelnden Wesen, das zu faßlicher Melodie nur
0088erwacht, um sofort trivial zu werden.


0089Die österreichische Militär-Capelle bewältigte die Schwie-
0090rigkeiten dieses, jedem ehrlichen Soldatengemüth unverständ-
0091lichen Tonwerkes mit Meisterschaft. Noch weit glänzender
0092wirkte sie in dem zweiten, selbstgewählten Stücke, der Unga-
0093rischen Rhapsodie Nr. 3 von Liszt; hier erst waren unsere
0094Musiker ganz in ihrem Elemente, denn es war musika-
0095lisches
Element. Dieses originelle, prickelnde und zündende
0096Stück brachte nicht blos die technische Virtuosität unserer
0097Oesterreicher zur Geltung, sondern auch ihre frische Sinn-
0098lichkeit, ihre leicht ansprechende und warme Empfindung. Die
0099Aufgabe war nicht minder schwierig, aber unvergleichlich
0100dankbarer als die erste. Man muß die (bekanntlich für Clavier
0101componirte) Ungarische Rhapsodie von Liszt selbst spielen
0102gehört haben oder von unserem Philharmonischen Orchester
0103unter Hanns Richter, um die Schwierigkeiten ganz zu wür-
0104digen, welche diese feinen, zierlichen Passagen, namentlich in
0105dem stürmischen Schlußsatze, einem blasenden Orchester be-
0106reiten. Und dennoch kam dies Alles nicht blos genau und
0107richtig, es kam ohne Anstrengung, mit Grazie und Feinheit
0108heraus. Das Stück erregte unbeschreiblichen Enthusiasmus.
0109Laut brauste der Jubel über den großen Platz und durch die
0110angrenzenden Straßen. Die Aristokratie auf dem Balcon,
0111die Bourgeoisie auf der Tribüne, endlich die Demokratie auf
0112dem Platze selbst — Alles rief und klatschte entzückt in die
0113Hände. Und doch, wir müssen es betonen, konnte die Lei-[2]
0114stung der Oesterreicher nicht nach ihrem ganzen Werthe ge-
0115würdigt werden, denn sie spielten ein für den geschlossenen
0116Saal bestimmtes und studirtes Stück im Freien, wo die
0117Pianissimos unhörbar blieben und manche zartere Passage in
0118der Luft zerflatterte oder von dem unvermeidlichen Straßen-
0119geräusch erdrückt wurde. Für das Auge war der dichtbevöl-
0120kerte, buntgeschmückte Rathhausplatz gewiß der prächtigste
0121Concertsaal, für das Ohr nimmermehr.


0122Nach der österreichischen producirten sich zwei belgische
0123Regimentsmusiken, die des 7. und des 14. Infanterie-Regi-
0124ments, mit wohlverdientem, schönem Erfolge. Unserer aus
012582 Mann bestehenden Capelle waren sie mit ihren 47 bis
012650 Mann nicht blos numerisch unterlegen, sie waren es auch
0127bezüglich der Qualität ihrer Instrumente, welche greller, un-
0128edler klangen, wol auch in der Wärme und Feinheit des
0129immerhin tüchtigen, correcten Vortrags. Beide belgische Ca-
0130pellen brachten zuerst den Berlioz’schen „Francs-Juges“ das
0131vorgeschriebene Opfer (sie nahmen das Allegro mit Recht
0132etwas gemäßigter als Herr Czibulka), sodann bliesen sie die
0133Ouvertüre zur „Zauberflöte“, welche mit den Streichinstru-
0134menten viel von ihrem reinen Adel einbüßte, und eine Fest-
0135Ouvertüre von Leutner. Der Componist ist ein pensio-
0136nirter deutscher Regiments-Capellmeister, der einen altmodisch
0137„brillanten“ Reißigerstyl schreibt. Bei dem erstgenannten bel-
0138gischen Regimente (Nr. 7 aus Antwerpen) bemerkten wir die
0139gute Klangwirkung der Saxophons (Alt, Tenor und Baß)
0140in der Berlioz’schen Ouvertüre; bei dem letztgenannten
0141(Nr. 14 aus Gent) die unvermuthete und unpassende An-
0142wesenheit eines viersaitigen Contrabasses. Wie ich höre, ist
0143die Verwendung dieses Streichinstrumentes bei belgischen und
0144holländischen Militärmusiken häufig, seltsam, daß es
0145in einem Blasorchester nicht durch Contrafagott oder durch
0146eines der so vorzüglichen Metall-Baß-Instrumente ver-
0147drängt ist.


0148Sobald die letzte Note der dritten Militär-Capelle ver-
0149klungen war, schritt die Jury ohne vorhergehende Discussion
0150zur geheimen Abstimmung auf Zetteln, die sofort vor allem
0151Volke entfaltet und laut vorgelesen wurden. Der erste Preis
0152(von 1000 Francs) wurde einstimmig der österreichi-
0153schen
Regiments-Capelle zuerkannt. Diese Einstimmigkeit zu 
0154Gunsten des Auslandes gereicht den belgischen Preisrichtern
0155zur Ehre. *) Auch das Publicum bewies durch seine laute
0162Acclamation dieses Richterspruches ein lobenswerthes Ge-
0163rechtigkeitsgefühl, das ja auch in artistischen Fragen nur zu
0164oft durch nationale Empfindlichkeit beirrt wird. Die Musik-
0165capelle des 14. belgischen Infanterie-Regiments erhielt den
0166zweiten Preis von 500 Francs; die des 7. eine ehrenvolle
0167Erwähnung; jede der drei Capellen außerdem eine Denkmünze.


0168Und welche auswärtigen Regimentsmusiken concurrirten
0169außerdem mit der österreichischen? Keine. Keine einzige?
0170hören wir den Leser ungläubig wiederholen. Keine einzige.
0171Ich habe als getreuer Berichterstatter den musikalischen Wett-
0172kampf Oesterreichs mit Belgien erzählt, selbst hocherfreut,
0173daß Alles so schön und festlich vor sich ging und ohne die
0174leiseste moralische Dissonanz verlief. Allein ich darf doch
0175nachträglich nicht verhehlen, daß dieser ganze Wettkampf
0176etwas Unverständliches hat. Das Fest, mit welchem Belgien 
0177jetzt seine fünfzigjährige politische Unabhängigkeit feiert, ist
0178ein eminent patriotisches und nationales. In allen mit diesem
0179Feste verbundenen Exhibitionen und Productionen kommen
0180— mit verschwindend geringen Ausnahmen — nur bel-
0181gische
Kräfte ins Spiel: belgische Naturproducte, belgische
0182Industrie, belgische Kunst. Ist es nicht auffallend, daß
0183mitten in diese rein nationalen Feste ein internationaler
0184Wettkampf von Militärmusiken fällt?


0185Ein internationaler Concurs, in welchem Alles in Allem
0186ein österreichisches und zwei belgische Regimenter vertreten
0187sind! Es heißt zwar, daß auch die Militärmusiken zweier
0188kleinerer deutschen Staaten angemeldet waren, dann aber
0189angeblich wegen „dienstlicher Verhinderung“ sich zurückgezogen
0190hätten. Offenbar waren sie dienstlich verhindert, sich von den
0191Oesterreichern übertreffen zu lassen. Unter solchen Umständen
0192hatte nicht etwa das Erscheinen der österreichischen Militär-
0193musik in Brüssel, aber doch ihr Concurriren etwas 
0194Befremdendes. In Paris 1867 war es anders. Da rief die
0195Weltausstellung (nicht eine bloße Landesausstellung),
0196rief ein großartig internationales Fest (kein blos nationales)
0197alle Kräfte der civilisirten Erde zum Wettkampf auf. Wie
0198im Ausstellungspalaste die Industrien aller Völker, so
0199sollten auch die Orchester, namentlich die Militärmusiken aller
0200Länder in Paris um die Palme ringen. In Paris concur-
0201rirten zehn Regimentsmusik-Capellen: zwei französische und
0202je eine aus Oesterreich, Preußen, Rußland, Spanien, Bel-
0203gien, Holland, Baden und Bayern. Drei davon erwiesen
0204sich als Orchester allerersten Ranges, von so ebenbürtigen,
0205wenn auch nicht ganz gleichartigen Vorzügen, daß die Jury
0206nach langer Berathung sich entschloß, drei erste Preise zu-
0207zuerkennen: an Oesterreich, an Preußen und an
0208Frankreich. Die Aufregung des Publicums, das damals,
0209an 20,000 Köpfe stark, das immense Schiff des Palais
0210d’Industrie füllte, bleibt mir unvergeßlich. Namentlich unsere
0211ansehnliche österreichische Colonie, fast vollständig anwesend,
0212harrte des Ausspruches mit einer Spannung, die damals
0213durch den Antagonismus gegen Preußen und die begreifliche
0214Empfindlichkeit Frankreichs unglaublich gesteigert war. Und
0215welcher Jubel, als Oesterreich den ersten Preis erhielt! In
0216Brüssel waren der Concurrenten so wenige und von so un-
0217gleicher Stärke, daß von einem ernsthaften Wettkampfe keine
0218Rede sein konnte. Die St. Gudulakirche in Brüssel ist gewiß
0219ein ehrwürdig großartiger Dom, aber sie mit der Wiener
0220Stephanskirche vergleichen zu wollen, fällt Niemandem ein.
0221Ich bin weit entfernt, die Verdienste der belgischen Militär-
0222musiken verkleinern zu wollen, sie sind groß und anerkannt;
0223aber daß sie nicht gegen eine österreichische Elite-Musikbande
0224aufkommen, das haben sie selbst gewiß vorausgewußt. Viel-
0225leicht hätte es gefälliger ausgesehen, wenn die österreichische
0226Musikcapelle hiehergekommen wäre wie der Wiener Männer-
0227gesang-Verein, blos um der Prinzessin Stephanie eine Huldi-
0228gung und dem Volke von Brüssel einen Kunstgenuß zu
0229bereiten — ohne Wettstreit, wo es nichts zu wetten und
0230nichts zu streiten gab.


0231Die österreichische Militär-Capelle hat nach dem Preis-
0232concurse sich noch einmal im Ausstellungsgebäude und Abends
0233im Park hören lassen. Letzteres Fest zog eine große Menschen-[3]
0234menge in den hübsch illuminirten Park und warf einen an-
0235sehnlichen Ertrag zu Gunsten der Brüsseler Wohlthätigkeits-
0236Anstalten ab. Unsere Regimentsmusik hat in Brüssel eine
0237Aufnahme und Anerkennung gefunden, wie sie glänzender
0238nur noch dem Wiener Männergesang-Vereine zu Theil ge-
0239worden. Lob und Preis des letzteren klingt mir hier aller-
0240wärts als angenehme Musik entgegen.


0241Was aber die künstlerischen Leistungen der österreichischen
0242Sänger und Regimentsmusiker in Brüssel mit einem ganz
0243eigenthümlichen, fast romantischen Nimbus umgibt, ist ihre
0244Beziehung zu dem zarten Bande, das Oesterreich demnächst
0245dauernd mit Belgien verknüpft. Indem sie überall die
0246belgische und die österreichische Volkshymne nacheinander vor-
0247tragen, feiern sie in beredten Tönen das Glück des jungen
0248Brautpaares Rudolph und Stephanie. Sie versuchen, Wien 
0249mit Brüssel musikalisch zu copuliren. In Belgien leben noch
0250heute mehr Traditionen aus der Zeit der österreichischen
0251Herrschaft, als man vermuthen möchte. Es sind gute und
0252auch schlimme Erinnerungen. Daß letztere völlig ver-
0253schwinden, erstere hingegen neu aufleben, gehört zu den wohl-
0254thätigen Folgen der neuesten freudigen Ereignisse. Es hat
0255der dem Preisconcurse vom letzten Sonntag kaum Jemand
0256daran gedacht, daß auf demselben Rathhausplatze, wo die
0257Brüsseler unserer Militärmusik zujubelten, vor noch nicht
0258hundert Jahren ein gestrenger österreichischer Gouverneur 
0259aufständische Belgier hat hinrichten lassen. Aber von der
0260vortrefflichen Maria Theresia, die es auch mit den
0261Belgiern gut gemeint, hört man jetzt häufiger als je sprechen,
0262und ihr herrliches lebensgroßes Reiterbildniß im Brüsseler
0263Rathhause wurde uns von dem Bürgermeister mit sehr nach-
0264drücklichem Wohlgefallen gezeigt. Es ist eine ganz natürliche,
0265darum nicht minder erfreuliche Wahrnehmung, daß Belgier
0266und Oesterreicher sich jetzt mit einer Art Verwandtschafts-
0267gefühl entgegenkommen; vergessen wir nicht, daß die Musik,
0268die ja ihr altes Recht auf die Menschenherzen nie und
0269nirgends aufgibt, dieses Entgegenkommen hier in Brüssel 
0270mächtig gefördert und verschönt hat, eine diplomatische
0271Mission, zu welcher sie unmöglich bessere Gesandte bevoll-
0272mächtigen konnte, als den Wiener Männergesang-Verein und
0273die österreichische Regimentsmusik.

Fußnoten
  • *)Die von der belgischen Festcommission berufenen Preisrichter
    bei diesem Concurse waren die belgischen Componisten A. Samuel 
    und Th. Radoux, die königlich belgischen Regiments-Capellmeister
    Bender und Staps in Brüssel, der ehemalige Regiments-Capell-
    meister Speer aus Aachen und der Schreiber dieser Zeilen, dem,
    wahrscheinlich als Oesterreicher, die Ehre des Vorsitzes zu Theil wurde.