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Neue Freie Presse
Morgenblatt
Nr. 5074. Wien, Samstag, den 12. October 1878

[1]

Das Hamburger Musikfest. II.

(Schlußartikel.)


0003Ed. H. Wir hatten erwartet, und andere musikalische
0004Gäste mit uns, daß in dem Jubiläums-Musikfeste die alten
0005musikalischen Berühmtheiten Hamburgs nicht vergessen bleiben
0006würden. Wenigstens durch je Eine Composition hätten wir
0007gern Reinhard Keiser, Emanuel Bach, Matheson und Tele-
0008mann repräsentirt gesehen. In R. Keiser’s Opern finden
0009sich nicht blos interessante, sondern heute noch reizvolle und
0010sehr dankbare Arien. Noch viel reicher ist die Auswahl an-
0011muthiger und gediegener Stücke von Philipp Emanuel Bach,
0012der allein während seines Hamburger Aufenthaltes zwölf
0013Concerte mit Begleitung, 53 Claviersonaten etc. geschrieben
0014hat. Zwischen einer Opern-Arie von Keiser und einem
0015Clavierconcert von Emanuel Bach dachten wir uns einen
0016geistlichen Chor von Telemann und irgend ein Gesangstück
0017von Matheson an rechter Stelle. Die berühmten Namen
0018Telemann und Matheson kennt Jeder aus der
0019Musikgeschichte, und doch lebt heute wahrscheinlich Niemand,
0020der eine Composition von ihnen hat aufführen hören. Tele-
0021mann
, eine der letzten Säulen des alten Contrapunktisten- 
0022und Organistenruhmes von Hamburg, hat so überaus viel
0023geschrieben, daß namentlich aus seinen zahlreichen Oratorien
0024und Kirchenmusiken irgend ein charakteristisches und gediegenes
0025Stück gewiß leicht auszuwählen war. Dasselbe gilt von
0026Johannes Matheson, der allerdings bedeutender als Musik-
0027schriftsteller, denn als Componist, doch als geborener Hamburger,
0028und zwar einer der einflußreichsten, bei diesem Festanlasse nicht
0029hätte fehlen dürfen. Wer den merkwürdigen Mann, welcher
0030Sänger, Componist, Capellmeister, Schriftsteller, Kritiker,
0031Jurist, Gesandtschafts-Secretär in Einer Person gewesen,
0032auch nur aus Riehl’sCharakterköpfen“ kennt, hätte sich
0033gewiß lebhaft für irgend ein Probestück seiner Kunst inter-
0034essirt. Matheson war nebenbei auch ein guter Hamburger
0035Patriot, er schenkte der Michaeliskirche (in der er auch be-
0036graben liegt) 44,000 Mark Courant zum Baue einer neuen
0037Orgel — ein Einfall, den ihm wenige Musik-Kritiker nach 
0038machen werden. Was Händel betrifft, so hatten wir ge-
0039hofft, die Hamburger würden ihn bei diesem Musikfeste statt
0040mit einem seiner bekanntesten Spätwerke lieber mit irgend
0041einem Gesangsstücke produciren, das er in seinen jüngeren
0042Jahren in Hamburg und für Hamburg schuf, z. B. mit
0043einer Nummer aus seiner Oper „Almira“, welche 1705 in
0044Hamburg zwanzigmal hinter einander gegeben wurde. Weit
0045entfernt von der lächerlichen Zumuthung, das Hamburger
0046Festcomité solle ein „historisches Concert“ arrangiren, hoff-
0047ten wir doch wenigstens auf eine historische Würze dieses
0048Concertes. Die paar Nummern von alten Hamburger
0049Meistern hätten nicht mehr als die Hälfte des ersten Concert-
0050Abends ausgefüllt, und für die moderne Musik wären noch
0051zwei und ein halber Abend übrig geblieben. Die Stadt Ham-
0052burg hätte es schön gekleidet, sich an diesem seltenen Feste mit
0053ihren alten Berühmtheiten zu schmücken, wie mit einem kost-
0054baren Familienschmucke, der ihr und nur ihr allein gehört.
0055Man wendete uns ein, es seien ja die drei Festconcerte
0056eine Erinnerungsfeier der „Philharmonischen Gesellschaft“,
0057welche in ihren Programmen jene alten Meister niemals ge-
0058hegt habe. Das ist auch ein Gesichtspunkt, gewiß, aber wie mich
0059dünkt, ein sehr enger, denn Hamburg hat diese „Erinnerungs-
0060feier“ weit über die Bedeutung eines bloßen Familienfestes
0061hinausgehoben. Es war ein förmliches Musikfest der Stadt
0062Hamburg, ein Musikfest im größten Style, zu dem ja
0063fremde Künstler und Kunstkenner aus ganz Deutschland, aus
0064Holland, Dänemark u. s. w. geladen waren. Und da haben
0065wir ungern gerade dasjenige vermißt, was als specifisch ham-
0066burgisch
in der Kunstgeschichte leuchtet. Es läßt sich
0067gegen das Programm, wie wir gleich sehen werden, gewiß
0068nichts einwenden; es war ein schönes, nur leider ganz das-
0069selbe „schöne Programm“, das wir alljährlich auch in Wien, in
0070Berlin, in Leipzig, in München haben. Wir bemängeln es
0071nicht im musikalischen, sondern im hamburg’schen Interesse,
0072das hier freilich mit dem Wunsche so vieler Musiker, hier
0073auch etwas Neues, d. h. Altes kennen zu lernen, zusammen-
0074fiel. Um die „Eroica“ oder die „Oberon“-Ouvertüre zu hören,
0075reist man gewiß nicht nach Hamburg, höchstens von Altona.
0076Nun ich das Einzige mir vom Herzen geredet, was
0077ich dem Hamburger Musikfest ausstellen mußte — weniger
0078ein Tadel, als eine fehlgeschlagene Hoffnung — kann ich 
0079mich ungestört dem Vergnügen des Lobens und Bewunderns
0080hingeben.


0081Am ersten Concert-Abend fuhr das schwere Geschütz
0082auf: geistliche Musik von Bach und Händel in gewaltigen
0083Dimensionen. Sebastian Bach’s Cantate: „Ein’ feste Burg
0084ist unser Gott“ — wir hörten sie in Wien zum erstenmal
0085unter Brahms’ Direction — und Händel’s Oratorium:
0086Israel in Egypten“ (zweite Abtheilung) waren ganz vor-
0087zugsweise geeignet, die Leistungen des Hamburger Chors in
0088glänzendes Licht zu stellen. Daß Hamburg einen Chor von
0089460 Mitgliedern, durchaus Dilettanten, aufzustellen ver-
0090mag, setzt in Erstaunen. Und mit welcher nordisch-protestan-
0091tischen Kraft und Tapferkeit führten diese Hamburger Frauen
0092und Fräulein die anstrengendsten Chöre aus! Die Bach’sche
0093Cantate gehört mit ihren grandiosen, aber für die Sänger
0094grausamen Contrapunktik des Luther’schen Chorals zu den
0095schwierigsten Aufgaben; bei sehr starker Besetzung wundert
0096man sich beinahe, wenn die Stimm-Einsätze alle wirklich auf
0097Einen Schlag geschehen. In dem Händel’schen Oratorium 
0098glänzte vor Allem Frau Peschka-Leutner, eine Oester-
0099reicherin, die bekanntlich seit geraumer Zeit als eine der
0100ersten Gesangskünstlerinnen in Deutschland gefeiert ist. Und
0101dies mit vollem Recht, denn in der schwierigen Allelujah-
0102Arie (Einlage aus Händel’s „Esther“) erwies sich Frau
0103Peschka als eine geradezu classische Coloratur-Sängerin. Ihre
0104Stimme besitzt zwar nicht mehr den jugendlichen Schmelz,
0105doch noch immer hinreichenden Wohllaut und vermag durch
0106musterhafte Oekonomie des Athems, hochausgebildete Virtuosität
0107und musikalische Empfindung Erstaunliches zu leisten. Aus
0108ihrem Munde klingt auch das Schwerste nicht mühsam, und
0109darin finden wir den vornehmsten Reiz ihres Gesanges.
0110Für die Altpartie stand Frau Amalie Joachim auf dem
0111Programm, welche jedoch zum allgemeinen Bedauern durch
0112Unwohlsein in Berlin zurückgehalten wurde; Fräulein Fides
0113Keller aus Düsseldorf übernahm bereitwillig und mit
0114bestem Gelingen deren Part. Der Tenorist Herr Candi-
0115dus
, ein junger Amerikaner, der sich in Deutschland einen
0116Namen zu machen beginnt, hatte wenig Gelegenheit zu
0117selbstständigem Hervortreten; seine Stimme ist von hellem,
0118offenem Klang und leichter, kräftiger Höhe, bei etwas un-
0119edlem, zinkenartigem Timbre. Die Bassisten waren Herr [2]
0120v. Senfft-Pilsach, ein sehr musikkundiger und kunst-
0121begeisterter Dilettant aus Berlin, dann Herr Georg
0122Henschel
. Letzterer hat es in wenigen Jahren zu bedeu-
0123tendem künstlerischen Ansehen gebracht; er gilt in ganz
0124Deutschland für einen der besten Lieder- und Oratorien-
0125sänger. Die Stimme fesselt keineswegs durch besonderen
0126Wohlklang, man muß sich an einen gewissen Beiklang von
0127Rauhheit und Schärfe anfangs gewöhnen. Dafür imponirt
0128Henschel’s Gesangskunst durch hohe Ausbildung im getrage-
0129nen wie im colorirten Styl, seine Declamation verräth
0130durchwegs den Mann von Geist, sein Vortrag den treff-
0131lichen Musiker. Das erste Concert schloß — wol etwas zu
0132spät — mit Beethoven’s „Eroica“. Das Orchester, über
0133hundert Mann stark und zum größten Theil aus gegenwär-
0134tigen und ehemaligen Mitgliedern der „Philharmonischen Ge-
0135sellschaft“ bestehend, zeichnete sich durch kräftigen Klang und
0136feine Nuancirung aus.


0137Der zweite Abend brachte zwei Symphonien, eine
0138Haydn’sche (G-dur Nr. 13) und die dritte (C-dur) von
0139Schumann. Den größten Triumph feierte diesmal Frau
0140Clara Schumann. Sie hatte zum Vortrag Mozart’s
0141D-moll-Concert gewählt, diesen Strom flüssigen Goldes.
0142Vor dreiundvierzig Jahren hatte diese bewunderungswürdige
0143Frau bereits als Concertgeberin die Hamburger entzückt —
0144und heute? Es mag übertrieben klingen und ist doch buch-
0145stäblich wahr: sie spielte das Concert schöner als je. Ihr
0146Vortrag war die reine Offenbarung Mozart’s, die verkör-
0147perte Musik. Man kann sich den Jubel der Zuhörer vor-
0148stellen. Lebhaften Beifall fand auch das Sextett aus dem
0149ersten Act von Cherubini’sWasserträger“, mehr durch
0150die treffliche Ausführung als durch die Composition, welche,
0151fast untrennbar mit den scenischen Vorgängen verknüpft, keine
0152passende Wahl ist für Concertvortrag. In der schwierigen
0153Sopranpartie (Constanze) excellirte Frau Dr. Schramm,
0154die vor mehreren Jahren ihre glänzend begonnene Bühnen-
0155laufbahn mit einem glücklichen Familienleben vertauscht hat.
0156Süßer Klang, warme Empfindung und poetische Erscheinung
0157hatten sie zu einer der besten Darstelleinen der Elsa in
0158Lohengrin“ und ähnlicher Gestalten gemacht, in welchen sie
0159als Fräulein Börner dem Hamburger Publicum unver-
0160gessen blieb. Wir bedauerten, Frau Dr. Schramm nicht 
0161auch in einer Solonummer gehört zu haben; ihr Gesang
0162erschien uns so recht als der Ausklang einer rein gestimm-
0163ten Seele.


0164Die brillant ausgeführte Ouvertüre zu „Oberon“
0165machte den Anfang, Mendelssohn’s „Erste Walpurgisnacht“
0166den Beschluß des dritten Concerts. Dazwischen spielte
0167Joachim mit Herrn Concertmeister Bargheer die
0168H-moll-Concertante für zwei Violinen von Spohr. Herr
0169Bargheer ist ein sehr tüchtiger Künstler, der, überdies
0170eine Säule der Hamburger Musikzustände, die Auszeichnung
0171wohl verdient hat, mit Joachim zu spielen. Daß man aber
0172unterließ, Letzterem außerdem noch eine Solo-Nummer im
0173Programm zu reserviren, wurde von den Zuhörern aufrich-
0174tig beklagt. Das Spohr’sche Duo, von ziemlich dünnem Ge-
0175halte und etwas veralteter Eleganz, theilt nicht blos (wie
0176das bekannte Mozart’sche für Violine und Bratsche) den
0177ganzen Stoff mit mathematischer Genauigkeit zwischen die
0178beiden Spieler, es läßt sie sogar immer nur gleichzeitig zu-
0179sammen spielen. So kam es, daß wir Joachim während
0180des ganzen Hamburger Musikfestes nicht mehr als vier Tacte
0181haben allein vertragen hören, mit denen er einmal in
0182dem Spohr’schen Duo voranschreitet. Diese einfachen vier
0183Tacte verriethen freilich den ganzen Joachim und erinnerten
0184mich an eine Briefstelle, in welcher M. Hauptmann vor
0185vielen Jahren schon aussprach: „Joachim ist einzig; bei dem
0186ist nicht die Technik und nicht der Ton und nichts von
0187Allem, was man sagen kann, sondern daß eben das
0188Alles zurücktritt, sich gar nicht bemerkbar macht, daß
0189man eben nur die Musik hört.“ Wer hätte nicht, um ein
0190Solostück von Joachim zu hören, gerne die unbedeutende
0191Ouvertüre“ von W. Grund geopfert, welche man — aller-
0192dings aus rühmlicher Pietät für die Verdienste des Verstor-
0193benen — ins Programm gesetzt? Es waren doch übrigens
0194Dirigenten- und nicht Componisten-Verdienste, für welche
0195Hamburg dem wackeren Grund sich zu Dank verpflichtet
0196fühlt. Die beiden Schubert’schen Lieder: „Erstarrung“ und
0197An die Leyer“ wirken kaum auf das zweitausendköpfige
0198Publicum eines für große Tonmassen bestimmten Festsaals.
0199Werden sie vollends von einem dicken, kahlköpfigen Herrn
0200mit klangloser Stimme vorgetragen, so bekommt der „Succès
0201d’estime“ einen entschiedenen Nachdruck auf das letzte Wort. 
0202Um so begeisterter äußerte sich die Freude des Publicums an
0203Brahms’ zweiter Symphonie in D-dur. Brahms, mit
0204Orchestertusch und Lorbeerkränzen empfangen, dirigirte selbst,
0205Joachim spielte im Orchester die erste Violine; Alles ging
0206herrlich. Das Werk selbst ist den Wienern bekannt; es hat
0207in Hamburg ebenso siegreich durchgeschlagen, wie in Wien 
0208und den meisten deutschen Städten. Der reizende Menuet
0209(den Brahms, kaum zum Vortheil der Wirkung, lang-
0210samer nahm, als H. Richter in Wien) mußte wieder-
0211holt werden. Am Schluß der Symphonie warfen die
0212Damen vom Chor und aus den ersten Sitzreihen Brahms 
0213ihre Blumensträußchen zu; er stand da, wie es in
0214seinem Wiegenlied heißt, „mit Rosen bedeckt, mit Nelken
0215besteckt“. Mit Ausnahme der Brahms’schen Symphonie 
0216waren sämmtliche Musikstücke dieses großen dreitägigen Festes
0217von Herrn Professor Julius v. Bernuth mit bestem Er-
0218folge dirigirt worden. Durch seine vielseitige Bildung und
0219persönliche Liebenswürdigkeit ein besonderer Liebling der
0220Hamburger Gesellschaft, hat dieser Dirigent bei dem Musik-
0221feste auch eine Ausdauer und Arbeitskraft bewährt, um die
0222er, sowie das ihm anvertraute Concert-Institut zu be-
0223neiden ist.


0224Zwischen den zweiten und den dritten Concerttag war
0225die gemeinsame Luftfahrt nach Blankenese eingeschoben, wo
0226auch das Festbankett stattfand. Auf dem Verdeck des statt-
0227lichen Dampfers gab es ein fröhliches Gewimmel; man
0228konnte mit jedem unachtsamen Schritt einer Berühmtheit
0229auf den Fuß treten. Da begrüßten wir zuerst den geist-
0230vollen, liebenswürdigen Ferdinand Hiller, oder wie er jetzt
0231heißt: Ferdinand von Hiller, denn er hat durch irgend
0232einen Orden jetzt bekommen, was er längst und viel besser
0233selbst besaß: den „persönlichen Adel“. Der kluge Mann im
0234Winterpelz, mit dem frappant an Schumann erinnernden
0235Kopf, ist Theodor Kirchner, der Componist so mancher
0236poetischer Clavierstücke und Lieder. Und neben ihm, die vor-
0237nehme Greisengestalt? Wer sollte es glauben, der Com-
0238ponist der neckischen „Martha“ mit weißen Haaren und lan-
0239gem weißen Bart! Flotow hat es nicht vergessen, daß er
0240seinen ersten durchschlagenden Erfolg in Deutschland der
0241Hamburger Aufführung seines „Stradella“ (1844) ver-
0242dankte. Ein älterer Herr von bescheidener Mittelgröße, aus [3]
0243dessen glattrasirtem rosigen Gesicht eine echte Mozart-Nase
0244hervorspringt, kommt auf mich zu und nennt sich — Niels
0245Gade. So war mir denn ein alter Wunsch in Erfüllung
0246gegangen, diesen verehrten, echten Künstler, den Liebling
0247Mendelssohn’s und Schumann’s, einmal von Angesicht zu
0248sehen! Zwei Herren, die, sich offenbar neckend, sehr munter
0249conversiren, sollte ich kennen, doch kommt mir der jüngere
0250zu alt vor für Brahms, der ältere zu jung für Papa
0251Grädener. Und doch sind sie’s Beide. Grädener, den
0252Wienern eine alte, werthe Erinnerung, ist seither noch
0253sprühender und blitzender geworden, so daß ich ihn als ein
0254beneidenswerthes Beispiel unverwüstlicher, ja gesteigerter
0255Jugendlichkeit kaum wiedererkannte. Brahms aber —
0256trägt einen martialischen Vollbart. Er hat sein bisheriges
0257mildes Pastorgesicht mit dem eines tapferen Wallenstein’-
0258schen Lanzknechts vertauscht und gleicht jetzt einer seiner
0259Variationen, in der man das Thema nur mühsam erkennt.
0260Es schien jedoch, daß den Damen auf unserem Schiff die
0261Variation ausnehmend gefiel. Wir freuen uns ferner
0262der Anwesenheit des geistreichen holländischen Componisten
0263Verhulst, der beiden trefflichen Berliner Musik-Kritiker
0264Otto Gumprecht und Professor Engel, der Componi-
0265sten Reinthaler, Grimm, Gernsheim, Reinecke 
0266und Julius Schäffer. Von Hamburger Musik-Notabilitä-
0267ten begrüßen wir die Herren Ludwig Meinardus, Ca-
0268pellmeister Riccius, Dr. Krause und den ehrwürdigen
0269Verfasser der Festschrift, Avé-Lallemant. Hingegen
0270bedauerten wir, daß die beiden Hamburger Musikgelehrten
0271Chrysander und Arrey v. Dommer es verschmäh-
0272ten, die Stille ihres Studirzimmers für diese Festtage zu
0273verlassen. Die Fahrt nach Blankenese verlief heiter und an-
0274regend wie das ganze Fest. Jeder, der letzterem beigewohnt,
0275wird den günstigsten Eindruck von den Hamburger Musik- 
0276und Theaterzuständen gewonnen haben. Denn auch für eine
0277Opernvorstellung in dem unter Pollini’s Direction ganz
0278Vortreffliches leistenden Stadttheater hatten wir glücklicher-
0279weise Zeit gewonnen. Die Wärme des künstlerischen und
0280geselligen Verkehrs in Hamburg siegte überdies rühmlich über
0281die rauhen Einwendungen der Herbstwitterung, so daß uns
0282und sicherlich allen fremden Gästen das Hamburger Musik-
0283fest stets in frischem, dankbarem Gedächtniß haften wird.