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Neue Freie Presse
Abendblatt
Nr. 6581. Wien, Mittwoch, den 20. December 1882

[1]

Neue Werke über Musik.

(Schluß.)

[2]
0003Die deutsche Bühne, in Bild und Wort dargestellt von einem
0004Weimaraner. (Dresden, 1882, bei Wilhelm Streit.)


0005Dieses elegante Album in Groß-Quartformat und prächtigem
0006Einband ist mehr und etwas Besseres als bloßer Luxusaufputz
0007für Salons — ein höchst anregendes, ebenso unterhaltendes als
0008lehrreiches Buch. Der ungenannte Verfasser unternimmt es, die
0009eigenthümliche Entwicklung der Bühnenkunst im innigen Zusam-
0010menhange mit der jeweiligen geistigen Bildung darzustellen und
0011dem Theaterfreunde in abgerundeten Schilderungen eine lebendige
0012Anschauung von dem Bühnenwesen zu geben. Der Titel des
0013Buches ist zu eng gefaßt, denn nicht blos die Entwicklung der
0014deutschen Bühne“ wird uns in Wort und Bild vorgeführt,
0015auch die Theatergeschichte Griechenlands und Roms, die An-
0016fänge der spanischen, französischen und englischen Bühne.
0017Den größten Raum des Buches nimmt allerdings das
0018deutsche Theater ein. Als besonders anziehende Capitel
0019nennen wir: die Glanzzeit der italienischen Hofoper in Dresden 
0020(mit den köstlichen Rococo-Costümbildern des Achilles und der
0021Iphigenie von 1730), das Schröder’sche Theater in Hamburg,
0022das Wiener National-Theater unter Joseph II., die ersten Auf-
0023führungen des „Fidelio“ und des „Freischütz“ u. s. w. Die Dar-
0024stellung reicht bis in die neueste Zeit, schildert die Meininger 
0025und das Wagner-Theater in Bayreuth und schließt mit den sorg-
0026fältigen Abbildungen der drei neuesten Theater: dem Frankfurter,
0027dem Wiener Opernhaus und dem neuen Wiener Burgtheater in
0028seiner Vollendung. Porträts und Costümbilder der berühmtesten
0029Schauspieler und Sänger alter und neuer Zeit schmücken in
0030großer Zahl dieses Buch, dessen Idee, Ausführung und Aus-
0031stattung in gleicher Weise glücklich genannt werden müssen.


0032Dr. Guido Adler: „Studien zur Geschichte der Harmonie“.
0033(Wien, bei Gerold, 1881.)


0034Der Verfasser, Privatdocent der Musikwissenschaft an der
0035Wiener Universität, veröffentlicht in dieser für fachgelehrte Kreise
0036bestimmten Abhandlung höchst interessante Forschungen über die
0037Entwicklung von Harmonie und Melodie, insbesondere über die
0038Bedeutung der sogenannten Fauxbourdons, „dieser wissenschaft-
0039lichen Sphinx“, deren Namen die verschiedensten Arten mehr-
0040stimmiger Musik vom vierzehnten bis ins siebzehnte Jahrhundert
0041getragen haben. Dr. Adler bewährt in dieser Abhandlung seine
0042vollkommene Vertrautheit mit einer jetzt sehr selten gepflegten und
0043schwierigen musikwissenschaftlichen Materie. Die wenigen Ge-
0044lehrten, die heute noch dafür Interesse und Verständniß haben,
0045wie Gevaert, Chrysander, Riemann, haben Herrn Dr. Adler zu
0046seiner Arbeit beglückwünscht.


0047Fromme’s Kalender für die musikalische Welt 
0048für das Jahr 1883. Redigirt von Dr. Theodor Helm.


0049Eine Anzeige des achten Jahrganges dieses rühmlich be-
0050kannten Musiker-Kalenders darf sich nicht auf das den früheren
0051Jahrgängen gezollte Lob beschränken, denn der vorliegende neueste
0052zeichnet sich noch durch größere Genauigkeit und Reichhaltigkeit
0053aus. Zu den bisherigen so praktischen Rubriken: Adressen aller
0054Musiker in Wien, Verzeichniß aller Concert- und Opernauffüh-
0055rungen des verflossenen Jahres, Statistik und Personalstand
0056sämmtlicher Musik- und Gesangvereine der Monarchie, ist noch
0057ein neues werthvolles Verzeichniß hinzugekommen, das der Ge-
0058burts- und Todestage der berühmtesten verstorbenen Componisten
0059und der hervorragendsten Musiker der Gegenwart. Für jeden
0060österreichischen Musiker ist Helm’s Kalender so gut wie unent-
0061behrlich.


0062Hermann Eichborn: „Die Trompete in alter und neuer Zeit.“
0063(Leipzig 1881, Breitkopf und Härtel.)


0064Der Verfasser gibt uns zuerst eine Geschichte der Trompete,
0065sodann eine Darstellung des Wesens und der Eigenschaften dieses
0066wichtigen und interessanten Instrumentes. Er entwickelt dabei nicht
0067nur eine genaue praktische Kenntniß der Trompete und ihrer Ab-
0068arten, sondern auch eine große Belesenheit in allen einschlägigen
0069Büchern und Partituren alter und neuer Zeit. Eichborn’s Mono-
0070graphie, deren Werth durch zahlreiche Notenbeispiele erhöht wird,
0071bietet Anregendes und Belehrendes einem Jeden, der sich für
0072Musikgeschichte, Instrumentenbau und Instrumentirungskunst
0073interessirt.
0074Ed. H.


0075In unserer gestrigen Besprechung von Ferd. Hiller’s Broschüre 
0076über Goethe soll es in dem Citat über Goethe’s Gedichte heißen, daß
0077sie „gesungen“ sind, statt „gelungen“, was sie übrigens auch sind.