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Neue Freie Presse
Morgenblatt
Nr. 5853. Wien, Dienstag, den 22. Juli 1879

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Vom Salzburger Musikfeste.

Salzburg, 19. Juli.


0003Ed. H. Es regnet nicht! Damit ist Alles gesagt für
0004den, der Salzburg kennt. Damit ist vielleicht das Schönste
0005bezeichnet, was man weit und breit sehen kann. Die herrliche
0006Stadt, diese Wonne und Wuth aller Reisenden, je nachdem
0007sie im Sonnenschein aufleuchtet oder in Regen-Ewigkeiten
0008grollt, sie streckt sich heute behaglich in lauter Himmelblau
0009und Sonnenlicht. In aller Frühe trieb es mich hinauf auf
0010den Capuzinerberg, diesen entzückenden Felsen, welcher von
0011einem zweifellos reichen und vielleicht recht unglücklichen Erz-
0012bischofe dem „paupero ac felici Cappucino“ zur Ansiedlung
0013gewidmet ward, wie die in Stein gehauene Inschrift ver-
0014kündigt. Als ich da auf dem Berge des armen und glück-
0015lichen Capuziners von einem Aussichtspunkte zum andern
0016schwelgte, da dachte ich an Alles eher, als an Festconcerte.
0017Oder ich dachte höchstens, daß jedweder Anlaß, somit auch
0018der gegenwärtige musikfestliche, dankbar zu begrüßen sei, der
0019so viele schönheitempfängliche, freiheitbedürftige Menschen-
0020kinder aus ihren heißen Arbeitsstuben, ihrer „Straßen quet-
0021schender Enge“ hieherbringt und in vollen Athemzügen an
0022der Schönheit dieser Landschaft sich satt trinken läßt. Wollen
0023sie dann, nach so fröhlichem Tagwerk, Abends Musik machen,
0024sich und Anderen zur Freude, gleichsam in Töne über-
0025setzend, was sie tagsüber an Natureindrücken genossen — um
0026so besser. Dieser landschaftlich-pittoreske Gesichtspunkt, aus
0027welchem das Salzburger Musikfest sich wie das Ziel einer
0028musikalischen Vergnügungsreise ausnimmt, ist nicht nur der
0029einladendste, sondern hier fast der einzige für den Bericht-
0030erstatter. Ganz im Charakter einer künstlerischen Landpartie
0031erschienen schon die Concerte, womit einige nach Salzburg 
0032pilgernde Orchestermitglieder, gleichsam im Vorbeigehen, klei-
0033nere Städte erfreuten. So gaben der Waldhornist Schantel 
0034und der Harfenspieler Moser eine überfüllte Soirée in
0035Waidhofen an der Ybbs, wo eine eifrige, von Friedrich
0036Schiffner trefflich einexercirte Liedertafel solche Veranstal-
0037tung ermöglicht.


0038Der Kritiker, welcher dem Wiener Publicum musikalisch
0039Neues und Interessantes berichten sollte von dem Salzbur-
0040ger Musikfest, das ja lauter allbekannte Compositionen in
0041bekannter Ausführung bringt, wäre fertig, bevor er noch
0042recht angefangen. Er müßte einfach das Programm abschrei-
0043ben und im Tone ungetrübter Zufriedenheit beifügen: „Es
0044ging Alles ohne Fehler und ohne Regen!“ In dem ersten
0045Concert, Donnerstag Abends, brachten die Wiener Philhar-
0046moniker unter Hanns Richter’s bewährter Leitung die
0047Ouvertüren zur „Zauberflöte“ und zu „Manfred“,
0048dann Schubert’s zweisätzige H-moll-Symphonie und die
0049Siebente von Beethoven zur Aufführung. Herr
0050Joseph Hellmesberger (der Erbprinz) spielte ungemein
0051nett und correct das von ihm so oft — beinahe ausschließ-
0052lich — vorgetragene Bach’sche Violin-Concert. Frau Cle-
0053mentine Schuch-Proska hatte zwei Mozart’sche Arien
0054gewählt, deren eine („Idomeneo“) sich in einfach ausdrucksvoller
0055Cantilene bewegt, während die andere („Königin der Nacht“)
0056die glänzendste Scalen- und Staccato-Bravour in höchster
0057Lage entfesselt. Die Stimme der liebenswürdigen Sängerin
0058klang in dem sehr akustischen Saale voll und frisch; ihr
0059kunst- und geschmackvoller Vortrag rief einen Sturm von
0060Beifall hervor. Das Arrangement des Concertes in der ge-
0061räumigen, aber etwas kahlen „Aula“ des Salzburger Gym-
0062nasiums war dasselbe wie vor zwei Jahren und durchweg
0063zufriedenstellend. Der Beifall konnte unmöglich wärmer und
0064anhaltender sein; der Besuch jedoch war leider gerade in den
0065ersten, theuersten Sitzreihen nicht so zahlreich, als es dieses
0066schöne, für Salzburg geradezu unschätzbare Gastspiel der
0067Philharmoniker verdient hätte. Man bedauerte, daß nament-
0068lich ein großer Theil des hiesigen Adels und hohen Clerus
0069sich die Gelegenheit, seinen Kunstsinn zu documentiren, hat
0070entgehen lassen.


0071Das zweite Concert (Freitag) wirkte in seiner Zu-
0072sammensetzung nicht so glücklich wie das erste, konnte auch
0073kaum ohne bedeutende Abspannung bis zu Ende gehört wer-
0074den. Ein Sommerabend ist an und für sich großen Con-
0075certen nicht günstig, die Hitze im Saale wird bald lästig,
0076und die Kerzenbeleuchtung kämpft so trübselig matt gegen das
0077von Außen noch einfallende Tageslicht. Die weitaus gewal-
0078tigste Wirkung von allen Nummern des Programms machte
0079— wie so oft schon — die Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 von
0080Beethoven. Unmittelbar nach diesem tönenden Feuerstrome
0081mußte sich Mozart’s Concert für zwei Claviere doch gar zu
0082blaß ausnehmen. Es ist gefällige Gesellschaftsmusik von über-
0083wiegend conventionellem Inhalte und längst überholter Vir-
0084tuosität; jedenfalls hätte der erste Satz hingereicht in diesem
0085allzu langen Concertprogramme. Das reizende Zusammen-
0086spiel der Brüder Thern konnte nicht hindern, daß das
0087Ganze ermüdete, umsomehr, als etwas viel Mozart hinter
0088einander gespielt wurde: nach dem dreisätzigen Clavierconcert 
0089die Garten-Arie Susannens, von Frau Schuch-Proska 
0090auf Verlangen wiederholt, und die viersätzige Es-dur-Sym-
0091phonie. Dazu noch das Mozart’scher Form- und Ausdrucks-
0092weise nahe verwandte Violin-Concert von Beethoven.
0093Herr Concertmeister M. Grün entfaltete in zwei großen
0094Cadenzen erstaunliche Bravour und Ausdauer, gerieth aber
0095leider in häufige Conflicte mit der Reinheit der Intonation.
0096Richard Wagner war in dem ganzen Musikfeste nur
0097durch zwei kurze Stücke repräsentirt: das Vorspiel zum drit-
0098ten Acte der „Meistersinger“ und Hanns Sachsens Monolog:
0099„Was duftet doch der Flieder“. Den Philharmonikern, die
0100so viel bedeutendere und effectvollere Tonstücke von Wagner 
0101im Repertoire haben, wäre eine passendere Wahl zuzutrauen
0102gewesen. Der Monolog des Hanns Sachs gehört allerdings
0103zu den reinsten und stimmungsvollsten Scenen der Oper,
0104bleibt aber im Concert undankbar für den Sänger und wenig
0105verständlich für ein mit den „Meistersingern“ unvertrautes
0106Publicum. Noch viel unverständlicher muß, aus der Oper
0107herausgerissen, das kurze Vorspiel zum dritten Acte wirken.
0108Waren aber einmal diese beiden Stücke für das zweite Con-
0109cert bestimmt, dann mußten sie unbedingt unmittelbar nach
0110einander gegeben und dadurch in einigen Zusammenhang ge-
0111bracht werden; da hätte eines das andere erklärt und ge-
0112hoben. Weßhalb Hof-Capellmeister Richter zwischen diese
0113beiden „Meistersinger“-Fragmente eine Mozart’sche Arie und
0114das Beethoven’sche Violin-Concert einschob, ist uns nicht recht
0115erklärlich. Der Sänger, der mit dem Vortrag des Hanns-
0116Sachs-Monologs beauftragt war, ist ein ehemaliges Mitglied
0117der Wiener Hofoper, heute erster Bariton am Kölner Thea-[2]
0118ter: Dr. Emil Kraus. Er löste seine schwere und wenig
0119dankbare Aufgabe mit Meisterschaft. Wir fanden seine Stimme
0120heute noch stärker und metallreicher, seinen Vortrag aus-
0121drucksvoller, als zur Zeit seines Wiener Engagements, das
0122er wahrlich nur zum Schaden des Institutes verlassen hat.
0123Herr Kraus wäre nicht blos für die Oper, sondern ganz
0124besonders auch für die Oratorien- und Concertmusik in Wien 
0125ein werthvoller Gewinn.


0126Das dritte und letzte Concert des Salzburger Musik-
0127festes blieb, mit Ausschluß des Orchesters, auf das Gebiet
0128der Kammermusik, der Clavier-Composition und des Liedes
0129beschränkt. Zwei Künstlerinnen — die Harfen-Virtuosin
0130Frau Gräfin Spaur und ein Fräulein Brünnicke,
0131Concertsängerin aus Magdeburg — hatten krankheitshalber
0132absagen lassen; so blieb denn, mehr noch als an den Abenden
0133zuvor, Frau Schuch-Proska unbestrittene Königin. Nach
0134zwei bekannten Liedern von Schumann und Mendelssohn,
0135die sie mit anmuthigem Ausdruck, aber wenig verständlicher
0136Aussprache sang, erschien sie auf anhaltenden Beifall des
0137Publicums an der Hand des Herrn Dr. Kraus und sang
0138mit ihm das Duett: „Reich’ mir die Hand, mein Leben“
0139aus „Don Juan“. Diese nicht im Programme enthaltene,
0140gleichsam improvisirte Production mußte natürlich gerade in
0141Salzburg mit überschwenglicher Genugthuung aufgenommen
0142werden. Auch Herr Kraus erzielte mit seinen Liedervor-
0143trägen (Brahms, Robert Franz und J. Sucher) den
0144vollständigsten Erfolg. Das Streichquartett war durch die
0145Herren Grün, Karl Hofmann, Zöllner und Giller 
0146aus Wien vertreten, das Clavierspiel durch die Brüder
0147Thern, welche Schumann’s variirtes Andante, den türki-
0148schen Marsch von Beethoven und einen Chopin’schen
0149Walzer auf zwei Clavieren meisterhaft spielten. Diese Matinée
0150trug ein anspruchsloseres, familienhafteres Gepräge, als die
0151beiden Abendconcerte, schien aber das Auditorium nicht
0152weniger zu befriedigen, ja ihm ganz besonders zu Gemüth
0153zu sprechen.


0154Eine große, drei Concert-Tage umfassende Musikproduc-
0155tion, der es an festlichen Zurüstungen aller Art nicht fehlt,
0156darf den Namen eines „Musikfestes“ gewiß mit vollem Rechte
0157sich beilegen. Ein Irrthum hingegen ist es, wenn das hiesige 
0158Organ der „Internationalen Mozart-Stiftung“ dieser das
0159Verdienst vindicirt, „die Bahnbrecherin gewesen zu sein,
0160Musikfeste, wie sie in Deutschland am Rhein 
0161schon längst in Fleisch und Blut übergegangen, auch in
0162Oesterreich einzubürgern“. Das Salzburger Musikfest hat
0163weder den Charakter noch die Bedeutung der deutschen
0164Musikfeste. Diese kommen durch das vereinte Wirken
0165aller Musikkräfte der ganzen Provinz zusammen. An den
0166niederrheinischen Musikfesten zum Beispiel, die abwechselnd in
0167Düsseldorf, Köln und Aachen stattfinden, betheiligen sich alle
0168Orchester- und Gesangvereine der Umgebung; jeder Musiker
0169oder Dilettant stellt sich mit seiner Stimme oder seinem
0170Instrument zur Verfügung, und die verschiedenen Chor-
0171vereine, denen Frauen und Mädchen aus den besten Ständen
0172angehören, studiren den Winter über die zur nächsten Pfingst-
0173Aufführung bestimmten Oratorien. Dadurch werden die
0174deutschen Musikfeste für die ganze Bevölkerung wichtig und
0175ein unschätzbares musikalisches Erziehungsmittel der Nation.
0176Hier in Salzburg fehlt dagegen die Mitwirkung einheimischer
0177Künstler und Dilettanten vollständig; wie beim ersten, so
0178scheinen auch bei diesem zweiten Musikfeste die Salzburger
0179Instrumentalisten und Sänger mit einer gewissen Absicht-
0180lichkeit ausgeschlossen. So lange die angebliche „Bahn-
0181brecherin“ nicht einheimische Kräfte zur Mitwirkung beizieht
0182und ihre Programme durch große Chormusik vervollständigt,
0183so lange kann man doch eigentlich nur von philharmonischen
0184Concerten sprechen, welche das Wiener Hofopern-Orchester
0185mit Beiziehung von zwei oder drei Solisten in Salzburg 
0186abhält. Die Rheinländer musiciren, die Salzburger lassen
0187sich vorspielen — das ist der Unterschied. Wenn es
0188Herrn Baron Sterneck gelingt, in ähnlicher Weise die
0189Bevölkerung von Salzburg musikalisch heranzubilden —
0190national, nicht international — dann wollen wir
0191ihn gern einen Bahnbrecher für Mozart nennen.
0192Die „Internationale Mozart-Stiftung“ vertheilt aus Anlaß
0193des zweiten Salzburger Musikfestes eine Festschrift, welche
0194von ihrem Secretär, Herrn Director Johann Ev. Engl,
0195mit Fleiß und Sorgfalt abgefaßt ist. Den Anfang machen
0196Biographie und Porträt des Präsidenten der „Internationa-
0197len Mozart-Stiftung“, Baron Karl v. Sterneck, k. k. pen-
0198sionirten Finanz-Ober-Inspectors in Salzburg. Es folgt
0199hierauf ein ausführlicher Rechenschaftsbericht des Vereins
0200vom Jahre 1869 bis 1879. Vor zwei Jahren hatte ich
0201in diesem Blatte einige Bedenken unumwunden ausge-
0202sprochen, welche mir die überaus zahlreichen, hochfliegenden
0203und in ihrer Höhe unklaren Pläne dieses Vereins erregten.
0204Mit um so größerem Interesse ergriff ich diesen neuesten Be-
0205richt, der ja authentisch nachweisen muß, was die „Inter-
0206nationale Mozart-Stiftung“ jetzt nach zehnjährigem Bestande
0207von jenen hohen Plänen realisirt, was sie Positives gelei-
0208stet habe.


0209Ich bekenne, daß ich nach dem Tone starken Selbst-
0210bewußtseins, den die „Mozart-Stiftung“ anschlägt, doch auf
0211einige erhebliche praktische Leistungen derselben gefaßt war.
0212Allein die genauen Aufzeichnungen der „Festschrift“ lassen
0213zwar einen bewunderungswürdigen Eifer des Comités wahr-
0214nehmen, die „Internationale Mozart-Stiftung“ in ganz
0215Europa, ja über Europa hinaus unermüdlich bekannt und
0216berühmt zu machen, aber was wir ihr eigentlich zu verdan-
0217ken haben, darüber läßt der Rechenschaftsbericht uns in roman-
0218tischem Halbdunkel. Die Festschrift erzählt uns, daß ein Be-
0219vollmächtigter der Mozart-Stiftung zwei große „Werbungs-
0220reisen“ in Deutschland unternommen habe; daß ein zweiter
0221gar bis nach Paris, London und Egypten gereist sei; daß
0222„Bittgesuche an die deutschen Eisenbahn-Directionen wegen
0223freier Bahnfahrt im Dienste der Stiftung“ gerichtet
0224wurden und „künstlerisch ausgestattete Bittgesuche an
0225regierende Fürsten um gnädigst zu verleihende Subventionen.“
0226Der Verein bringt „Annoncen-Placate für Badeorte, Hotels,
0227Bahnhöfe“ in Verwendung, „Ehrendiplome in kunstvoller
0228Enveloppe“ werden an den Minister Baron Hofmann, an
0229den Grafen Beust und Andere gesendet, „Gesuche an die
0230Gesandtschaften und Consulate in Deutschland, Holland,
0231Italien und Amerika“ expedirt etc. Man darf die „Inter-
0232nationale Mozart-Stiftung“ in der That beglückwünschen zu
0233dem Eifer und dem ausdauernd couragirten Auftreten ihrer
0234Bevollmächtigten und Werber, die auch bereits schöne klin-
0235gende Ernten hereingebracht haben. Man hat sogar in London 
0236ein Concert unter Mitwirkung der Patti für die Mozart-
0237Stiftung durchgesetzt. Letztere besitzt heute ein Vermögen von [3]
0238nahezu 23,000 Gulden. Wir haben aber in dem Rechen-
0239schaftsberichte der letzten zehn Jahre keinerlei Andeutung ge-
0240funden, daß auch nur ein Kreuzer „zur Unterstützung armer
0241Tonkünstler“ verausgabt worden wäre. Und doch ist dieser
0242humane Zweck nebst der „Errichtung eines Conservatoriums“
0243als die wichtigste unter den vielen Missionen der „Inter-
0244nationalen Mozart-Stiftung“ bezeichnet. Wir befürchten, das
0245Epitheton „international“ wird verhängnißvoll werden für
0246diese Stiftung und überall großsprecherisch das national
0247Nächstliegende, Nothwendigste hindern. Eine „Schiller-
0248Stiftung“ für Musiker will dieser Verein werden, wie der
0249„Aufruf“ verkündigt. Aber die Herren wissen doch, daß die
0250Schiller-Stiftung nur für deutsche Dichter und Schriftsteller
0251sorgt, und nicht daran denkt, auch englische, spanische etc. zu sub-
0252ventioniren. Die Schiller-Stiftung beschränkt sich auf ein Ziel,
0253das sie genau ins Auge gefaßt hat und consequent verfolgt. Sie
0254denkt auch nicht daran, Preisausschreibungen zu veranlassen
0255oder etwa in Marbach, blos weil Schiller dort geboren
0256und obendrein die Gegend schön ist, eine internationale
0257Theater-Akademie zu errichten. Das Project, in Salzburg 
0258(neben der schon bestehenden Landes-Musikschule, dem
0259„Mozarteum“) noch ein eigenes neues Conservatorium zu
0260gründen, ein „internationales“ Conservatorium in großem
0261Style, beruht auf einer starken Selbsttäuschung des Comités,
0262und die Motivirung (Seite 59 der Festschrift), daß „Salz-
0263burg
durch seine von Humboldt mit Neapel und Konstan-
0264tinopel in Eine Reihe gestellte wunderbare Lage und seine
0265Billigkeit dem Conservatorium die günstigsten Bedingungen
0266des Gedeihens biete“, hat vollends etwas Kindliches. Nur
0267eine große Stadt, welche ein Opernhaus, ein reges Concert-
0268leben und ein ansehnliches musikliebendes Publicum besitzt,
0269kann die Kräfte für ein großes Conservatorium heranziehen,
0270festhalten und Garantien für die letzte künstlerische Ausbil-
0271dung der jungen Musiker bieten. Es mußte dieser Gegen-
0272stand hier in Kürze wieder berührt werden, weil er unter
0273den internationalen Phantasien der Salzburger Stifter aber-
0274mals obenan steht. Dringend erscheint die Angelegenheit
0275nicht; ich glaube mir die Fortsetzung meiner Gegenbemer-
0276kungen ruhig für spätere Jahre aufheben zu dürfen.