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Neue Freie Presse
Morgenblatt
Nr. 5504. Wien, Mittwoch, den 24. December 1879

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Musik.


0002Ed. H. Seit unserem letzten Berichte hat es zwei große
0003Mittags-Concerte gegeben, um die sich zahlreiche kleinere und
0004mittlere Musik-Productionen gruppirten. Im „Philharmoni-
0005schen Concert“ trat hier zum erstenmal ein in Deutschland 
0006und England bereits wohlrenommirter Pianist und Compo-
0007siteur, Herr Xaver Scharwenka aus Berlin, auf,
0008dessen zweisprachig gelötheter Name auf eine nähere Bezie-
0009hung zu unserer Monarchie (wahrscheinlich auf die Urform
0010Czerwenka) hinzudeuten scheint. Unbegrüßt, fast unbeachtet
0011setzte sich der fremde junge Mann ans Clavier, um schließ-
0012lich unter einem Beifallsjubel aufzustehen, wie ihn seit
0013Rubinstein kaum ein zweiter Pianist erntete. Denn dem
0014Spiele des Künstlers galt wol der Beifall mehr, als der
0015Composition; rühmte man doch an letzterer vorzüglich die
0016Geschicklichkeit, womit sie das erstere in die so glänzende Be-
0017leuchtung rückt. In Scharwenka’s B-moll-Concert (op. 32)
0018wechseln zwei verschiedene Styl- oder Empfindungsweisen:
0019eine pathetische, forcirt leidenschaftliche und eine leichtblütige,
0020elegant concertmäßige. Erstere kündigt sich gleich in dem wil-
0021den B-moll-Thema an, das in der Stimmung an den An-
0022fang von Liszt’s Es-dur-Concert oder Wagner’s „Faust“-
0023Ouvertüre mahnt und wiederholt zu dem Bemühen sich auf-
0024stachelt, tief, bedeutend und weltschmerzlich auszusehen. Diese
0025finstere „Faust“-Miene scheint aber dem freundlich offenen
0026Antlitz des Componisten mehr angeschminkt als natürlich, wäh-
0027rend wir in den heiteren und brillanten Partien des Concerts
0028sein eigenstes Temperament zu erkennen glauben, dem wir
0029uns überzeugt und willig hingeben. Seine Desperation dünkt
0030uns gemacht, sein beherzter Muth echt. Originalität im stren-
0031gen Sinne haben wir dem Concert nicht nachzurühmen; es
0032ist nur in Einzelheiten, technischen namentlich, neu, nicht als
0033Ganzes. Der erste Satz erinnert vielfach an Liszt, das
0034Scherzo noch deutlicher an die Schubert-Liszt’schen „Soirées
0035Vienne“, das Finale an Chopin, stellenweise auch an 
0036Rubinstein. Von der gebräuchlichen Concertform weicht
0037Scharwenka ab, was ihm keineswegs zum Vorwurf gereicht,
0038da ja die Theile des (nur zu breit ausgeführten) Ganzen in
0039gutem Ebenmaß zu einander stehen. Mitten im ersten Satz
0040findet sich ein durch Tact- und Tonart sich scharf abhebendes
0041Adagio eingekeilt. Der zweite Satz, der beste von allen, ist
0042ein ungewöhnlich langes, aber sehr effectvolles Scherzo in
0043Walzerbewegung. Das Finale sucht mit seinem wilden, durch
0044kleine rhapsodische Zwischensätze „bedeutungsvoll“ zerrissenen
0045Anfang das Pathos des ersten Satzes noch zu überbieten,
0046biegt dann in brillantes Passagenwerk ein und schließt end-
0047lich mit dem Hauptmotiv des ersten Satzes, das auch der
0048(vollständig ausgeschriebenen) Cadenz zu Grunde liegt. Alles
0049in Allem haben wir an Scharwenka’s Concert eine effectvolle,
0050interessante Arbeit, die trotz ihrer Länge nicht lang-
0051weilig wird und, vom Componisten selbst gespielt,
0052überall einschlagen muß. Auf seinen innern Werth
0053angesehen, muß sich das Concert den Vorwurf des Schwan-
0054kens zwischen brillanter Aeußerlichkeit und übertriebenem, un-
0055wahrem Pathos gefallen lassen. Wir glauben, daß der talent-
0056volle Componist auf einem seinem liebenswürdigen Naturell
0057entsprechenden mittleren Niveau der Empfindung noch sehr
0058Erfreuliches schaffen wird. Als Pianist ist er sehr bedeutend.
0059Vor Allem erfreut uns sein schöner Anschlag, der den vollen
0060Ton aus den Tasten zu ziehen weiß, ohne je stechend oder
0061walkend das Instrument wimmern zu machen, wie so manche
0062berühmte Virtuosen thun. Seine Technik glänzt ebenso voll-
0063endet in stürmischen Octavenzügen, wie in zartestem Passagen-
0064werk. Was dieser ungewöhnlichen Bravour ihren wahren
0065Werth und Reiz gibt, ist der durchaus gesunde, echt musika-
0066lische Vortrag, auf dem sie sich aufbaut. Wir freuen uns,
0067Herrn Scharwenka demnächst in einem von ihm selbst
0068veranstalteten Concerte zu hören.


0069Das zweite Concert größerer Dimension — Chor und
0070Orchester — war das des Wiener Männergesang-
0071Vereins
. Es bot einige anziehende Nummern, mehrere
0072überflüssige und jedenfalls zu viele. Ist es denn gar so
0073schwer, einzusehen, daß musikalischer Genuß mehr durch die
0074Qualität als durch die Quantität bestimmt, ja durch das 
0075Unmaß der letzteren schwer bedroht wird? Wie leicht ist es
0076doch gerade dem Concert-Dirigenten, das rechte Maß zu
0077halten, während der Opern-Capellmeister nicht beliebig an-
0078stückeln oder wegnehmen kann. Zu den überflüssigen Nummern
0079zählen wir eine große und großthuerische Novität: „Aussöhnung“,
0080aus Goethe’s „Trilogie der Leidenschaft“, von Hanns Huber.
0081Verspricht es schon Schlimmes, wenn Jemand die zarte,
0082abgeklärte Lyrik dieses Gedichtes für Männerchor und ganzes
0083Orchester componirt, so überholt die Huber’sche Ausführung
0084noch unsere Besorgnisse. Wie oft der Componist die Worte
0085„trüb ist der Geist, verworren das Beginnen“ wiederholt
0086in den schreiendsten Dissonanzen, unter rasendem Pauken-
0087wirbel und Posaunenschall, ist nicht nachzuzählen. Darauf
0088folgt ein Orchester-Zwischenspiel — nein, ein förmlicher
0089Opern-Entreact vor der zweiten Strophe, welche auch echt
0090opernmäßig unter einem Schwall von Harfen-Arpeggien, in
0091der Manier von Wagner’s „Sängerkrieg“, sich einführt. Die
0092Schnörkel auf dem Worte „Millionen“ sind allerdings ganz
0093Herrn Huber’s Eigenthum. Immer schwülstiger wälzt sich
0094die schwere Chor- und Orchestermasse über das arme
0095Goethe’sche Gedicht weiter, bis sie schließlich auf dem
0096„Doppelglück der Töne und der Liebe“ zu zerplatzen droht.
0097Nach so maßloser Ueberschwenglichkeit im Ausdruck und im
0098materiellen Aufwand halten wir den Componisten für einen
0099sehr jungen Mann und dürfen somit eine spätere Klärung
0100seines Talents hoffen. An der Stelle unseres Männergesang-
0101Vereins hätten wir diesen späteren Zeitpunkt doch noch lieber
0102abgewartet. Auf diese lange gesungene Nummer folgte ohne
0103einleuchtenden Grund eine noch längere gegeigte: das bereits
0104bekannte Violin-Concert von M. Bruch. Herr Concert-
0105meister Grün spielte dasselbe und trachtete die Einförmig-
0106keit dieser mehr achtbaren als unterhaltenden Tondichtung
0107durch stellenweise kleine Abweichungen von der starren Rein-
0108heit der Intonation pikant zu unterbrechen. Von den älteren
0109Chören des Programms haben wieder Engelsberg’s 
0110Muttersprache“ und Kremser’sAltniederländisches Lied“
0111den größten Erfolg errungen. Altes und Neues klang unter
0112der Leitung der Herren Kremser und Weinwurm vor-
0113züglich zusammen.

[2]


0114Eine von den gewöhnlichen Concerten verschiedene, eigen-
0115thümlich anmuthende Physiognomie zeigte die von Professor
0116Gänsbacher veranstaltete Gesangsproduction. Ihr Reiz
0117lag in dem reichhaltigen, interessanten Programm und seiner
0118Ausführung durch lauter junge, frische Gesangskräfte. Ver-
0119schieden an Stimmmitteln und Talent, bezeugten sie doch
0120sämmtlich die gute Lehrmethode Gänsbacher’s, die vor Allem
0121dahin zielt, den Sänger gut musikalisch zu machen. Gäns-
0122bacher ist ein Musiker von solider Bildung und feiner Em-
0123pfindung; man konnte dies schon aus seiner vortrefflichen
0124Clavierbegleitung heraushören. Die hervorragendste Erschei-
0125nung des Abends war Fräulein Rachel Büchler, eine
0126Sängerin von feinem Geschmack und poetischer, warmer
0127Empfindung. Sie brachte unter anderen zwei gefällige Lieder
0128von Emil Koppel zu guter Wirkung. Ihr überlegen an
0129Stimmkraft, bei geringerer Beseelung des Vortrages, zeigte
0130sich Fräulein Elsa Wagner, welche — in förmlicher
0131Auflehnung gegen ihren bedeutsamen Namen — italienische
0132Arien und Duette effectvoll vortrug. Ihr Partner war der
0133nunmehr nach Leipzig engagirte Herr Weltlinger, dessen
0134ungewöhnlich schöne, nur in der Höhe etwas beengte Tenor-
0135stimme große Fortschritte in Ansatz und Vortrag offenbarte.
0136In den Vocal-Quartetten machten sich die frische Sopran-
0137stimme und der beherzte Vortrag von Fräulein Stephanie
0138Bermann bemerkbar. Neu waren zwei Frauenchöre von
0139Jacob Fischer; der erste, längere: „Agnes’ Todtenfeier“
0140(aus dem Rückert’schen Cyklus), schien uns etwas gekünstelt
0141und ohne genauere Kenntniß des Gedichts nicht recht ver-
0142ständlich; um so effectvoller wirkte darauf sein fröhliches,
0143keck rhythmisirtes „Volkslied“ und mußte wiederholt werden.
0144Das größte Interesse erregten die Novitäten von Brahms 
0145und Dvorak. Welche Frische und Natürlichkeit webt in
0146Dvorak’s „Klängen aus Mähren“! Einfalt und Innigkeit
0147des Ausdrucks gehen in diesen Frauenduetten Hand in Hand
0148mit interessanter Harmonisirung und zierlichster Stimmen-
0149verflechtung. Von Brahms hörten wir zum erstenmale
0150öffentlich die Ballade „Edward“, von Fräulein Etzelt und
0151Herrn Weltlinger gut vorgetragen. „Edward“ ist die
0152erste von den zweistimmigen „Balladen und Romanzen“, 
0153die, in Ein Heft (Op. 75) vereinigt, zu den schönsten und
0154bedeutendsten Schöpfungen von Brahms zählen. Brahms 
0155hat die altschottische Ballade „Edward“, welche ohne die
0156kleinste epische Unterbrechung sich vollkommen dramatisch ab-
0157spielt, demgemäß als Dialog zwischen Mutter und Sohn
0158getheilt. Dasselbe Wagniß (weil kein Zusammensingen oder
0159sonstige „dankbare“ Concession vorkommt) hat Brahms in dem
0160Gedicht „Walpurgisnacht“ von Willibald Alexis wiederholt,
0161das als Frage- und Antwortspiel zwischen Mutter und Toch-
0162ter eine Art Seitenstück zu „Edward“ bildet. Wie er in die-
0163sem für die erschütterndste menschliche Tragödie die ergreifend-
0164sten Klänge findet, so in der „Walpurgisnacht“ für den prickeln-
0165den Schauder des Gespenstischen. Beide Balladen besitzen
0166wir bekanntlich für Eine Stimme componirt von Karl
0167Loewe, der in „Edward“ eine bedeutende dramatische
0168Kraft entwickelt und die „Walpurgisnacht“ mit einem geist-
0169reichen, der jüngeren Generation kaum mehr verständlichen mu-
0170sikalischen Citat schließt: dem Hexenthema aus Spohr’s „Faust“.
0171In dem Goethe-Zelter’schen Briefwechsel befindet sich als
0172Beilage ein Schreiben Zelter’s an Karl Loewe vom Jahre
01731824 mit dem interessanten Bekenntniß: „Wenn ich Ihren
0174Edward“ auch auf Noten zu setzen wüßte, so wäre mir’s
0175doch nicht möglich, ihm eine klare Vorstellung abzugewinnen,
0176die mir eine Melodie erzeugte; das ganze Gedicht ist für
0177meinen Sinn todt, oder ich müßte wenigstens ein Schotte
0178gewesen sein.“ Was würde der brave Zelter, dem Loewe’s 
0179Unterfangen unbegreiflich war, erst zu Brahms’ Composition 
0180desselben Gedichtes sagen, die ein vollständiges Drama daraus
0181schafft! Als heitere Gegenstücke zu diesen beiden Nachbildern
0182(„Edward“ und „Walpurgisnacht“) enthält dasselbe Heft
0183zwei unvergleichlich anmuthige, volksthümliche Duette: „Guter
0184Rath“ und „So lass’ uns wandern!“ Sie zählen zu den
0185glücklichsten Eingebungen Brahms’ und haben uns viel zu
0186viel Freude gemacht, als daß wir sie hier nicht erwäh-
0187nen sollten.


0188Die übrigen Productionen der letzten Woche stammten
0189(mit Ausnahme eines Concertes von Dr. Eduard Horn,
0190welcher eine Reihe eigener Compositionen mit vielem Beifalle
0191hören ließ) von jungen Pianistinnen. Ihre Zahl schwillt von 
0192Jahr zu Jahr an und erweckt nur zu gegründete Besorgnisse
0193für die Zukunft so vieler junger Mädchen. Zwei bereits vor-
0194theilhaft bekannte Clavier-Virtuosinnen, die neuerdings
0195gut besuchte Concerte gaben, sind Fräulein Johanna v. See-
0196mann
und Fräulein Anna Huber. Zum erstenmale
0197trat hingegen die Pianistin Fräulein Alexandrine Bauer 
0198vor die Oeffentlichkeit. Es war sogenanntes elegantes Con-
0199cert, mit Ministern, Generalen und Millionären in der
0200ersten Sitzreihe und einem zahlreichen, ungemein freundlich
0201gestimmten Publicum, das mit seinem der jungen Pianistin
0202gespendeten Beifall zugleich deren wohlthätiger Beschützerin
0203huldigen zu wollen schien. Unter Leitung einer musikalischen
0204Fee des Obersten Gerichtshofes hat sich nämlich Fräulein
0205Alexandrine Bauer ein recht tactfestes, correctes Spiel und
0206eine anständige Geläufigkeit erworben. Hoffen wir, daß die
0207Zukunft nebst Fortschritten in der Technik auch die noch
0208fehlende Beseelung und Freiheit des Vortrages hinzubringen
0209wird; dann dürfte die junge Dame an einen wirklichen Er-
0210folg vor dem musikalisch so verwöhnten Wiener Publicum
0211denken können. Erfreuliche Zwischennummern waren die
0212Declamationen zweier Damen, die nicht Schauspielerinnen
0213von Fach sind. Die Eine, die Gattin des Burgschauspielers
0214Herrn Stätter, sprach mit graziöser Leichtigkeit ein Ge-
0215dicht von leider antediluvianischem Geschmack: eine gereimte
0216Liste aller Untugenden der Frauen, sodann der Männer. Zu
0217den nicht aufgezählten Fehlern der Männer gehört es, solche
0218Gedichte zu machen, zu jenen der Frauen, sie öffentlich zu
0219declamiren. Glücklicher in der Wahl des Gedichts und
0220mindestens ebenso glücklich im Reize des Vortrages
0221war die Baronin Schneider v. Arno, zugleich
0222die Dichterin ihres Declamationsstückes: „Mozart und
0223das Bäuerlein“. In gemüthvoller, nur etwas weit
0224ausholender Schilderung erzählt die anmuthige junge
0225Dame von einem armen Salzburger Bauer, der, von
0226den Enthüllungs-Feierlichkeiten des Mozart-Denkmals etwas
0227confus gemacht, Mozart für einen neuen Heiligen hält und
0228die Statue um Hilfe in seiner Noth anfleht. Ein seinem
0229Gebet lauschendes Mädchen übernimmt für Mozart das Ge-
0230schäft der Rettung. Hier fände das Gedicht einen hübschen [3]
0231Abschluß; die angehängten Belehrungen des Pfarrers, daß
0232Mozart kein Heiliger sei und nicht im Kalender stehen werde,
0233schienen uns den Eindruck der Erzählung abzuschwächen.
0234„Vielleicht kommt dereinst eine Zeit, wo unsere Kalender statt
0235eine Unzahl Namen heiliger Männer zu enthalten, von deren
0236Leben und Wirken auch der Gläubigste nur schwache Kunde
0237hat — wo unsere Kalender, sagen wir, die Geburtstage der 
0238Männer verzeichnen werden, welche auf die Förderung der
0239Cultur im weitesten Sinne des Wortes von hervorragendem
0240Einfluß gewesen.“ So schreibt Ferdinand Hiller in
0241seiner Gedenkrede auf Beethoven. Seine Worte fielen uns
0242lebhaft ein bei der Geschichte vom „Heiligen Mozart“, und
0243wir citiren sie hier um so lieber, als wir heute zugleich
0244Hiller persönlich in Wien zu begrüßen haben.


0245Unser heutiges Feuilleton soll nicht anders schließen, als
0246mit einigen Worten über Hiller’s gestrige Vorlesung. Der
0247Componist der „Christnacht“ ist gerade zur Christnacht vom
0248„heiligen Köln“ herübergekommen, um zu Gunsten des
0249„Concordia“-Unterstützungsvereines einen öffentlichen Vor-
0250trag zu halten. „Wien vor 52 Jahren“ — Hiller hätte sein
0251Thema nicht passender wählen können. Wer Hiller’s reizende
0252Aufsätze „Aus dem Tonleben unserer Zeit“ kennt, der wußte
0253wohl, von welchen Ereignissen des Jahres 1827 hauptsäch-
0254lich die Rede sein würde; aber das Interesse, den verehrten
0255Mann, welcher noch persönlich mit Beethoven und
0256Schubert verkehrt hat, in voller geistiger und körperlicher
0257Frische davon erzählen zu hören, ist doch neben und über
0258dem Lesen ein ganz apartes. Welch anziehende, reichhaltige,
0259durch feine humoristische Lichter erhellte Schilderung gab uns
0260Hiller von all dem, was er in Begleitung seines berühmten
0261Meisters J. N. Hummel als fünfzehnjähriger Knabe in
0262Wien erlebt hat! Hiller, in vierfacher Eigenschaft als Com-
0263ponist, Musikschriftsteller, Dirigent und Claviervirtuose eine
0264Zierde der deutschen Musik, obendrein als liebenswürdiger,
0265geistreicher Mensch ein Schmuck jedes geselligen Kreises, ist
0266den Wienern nunmehr auch persönlich als Erzähler nahe ge-
0267treten. Das Publicum zeigte seinerseits durch stürmischen
0268Beifall am Anfang und Schluß der Hiller’schen Vorlesung,
0269daß es recht gut weiß, wenn es vor sich hat.